Planning Poker

Planning Poker kommt in der agilen Softwareentwicklung vor und beschreibt ein Schätzverfahren. Bevor ein Projekt in Angriff genommen wird, muss der Aufwand, den dieses mit sich bringt, geschätzt werden. Schätzungen sind wenig beliebt, weil sie sich im Bereich der Spekulationen bewegen. Zudem kommen unterschiedliche Beteiligte zu teilweise stark voneinander abweichenden Einschätzungen. Planning Poker soll hier Abhilfe leisten.

Allgemeine Informationen zum Thema[Bearbeiten]

Seinen Ursprung hat Planning Poker in der Methode Scrum, die ebenfalls zur agilen Softwareentwicklung gehört. Zeitweise wird Planning Poker daher auch Scrum Poker genannt. Der Unterschied zur eher klassischen Schätzung besteht darin, dass beim Planning Poker nicht im Vorfeld das gesamte angegangene Projekt geschätzt wird, sondern stattdessen iterativ vorgegangen wird. Damit ist gemeint, dass der Weg zur Lösung (also in diesem Fall zur realistischen Schätzung) in kleinen Schritten erfolgt. Passend zum Wort „Poker“ wird Planning Poker meist mit Karten durchgeführt. Es gibt dafür auch Kartensets im Handel.

Aufbau und Nutzen von Planning Poker[Bearbeiten]

Das wohl wesentlichste Charaktermerkmal des Planning Poker ist die spielerische Herangehensweise, mit der die Schätzungen vorgenommen werden. Dadurch unterscheidet es sich von anderen Methoden, die auf die Beteiligten trocken und unsinnig wirken. Wie bei einem Kartenspiel auch sollen alle Teammitglieder teilnehmen, ihre Schätzungen und Einschätzungen abgeben und so zu einem gemeinsamen und realistischen Ergebnis kommen. Folgende Punkte machen Planning Poker aus:

  • Strukturierter Ablauf: Schätzrunden ufern oft in ein unstrukturiertes Chaos aus. Schätzungen werden in die Runde geworfen, wobei nicht immer realistische Annahmen dahinterstehen. Wer als Erster eine Schätzung abgibt, beeinflusst damit häufig die anderen Teammitglieder, die diesen Wert unbewusst übernehmen. Es entsteht ein falsches Bild vom tatsächlich zu erwartenden Aufwand. Da beim Planning Poker eine Moderation stattfindet und alle „ins Boot geholt“ werden und somit ein großes Maß an Aufmerksamkeit bei allen Schätzern erzeugt wird, gelingen eher Angaben, die sich am Machbaren orientieren. Allerdings spielt die Kompetenz des Moderators eine entscheidende Rolle (meist übernimmt der Product Owner diese Rolle).
  • Vermeidung des Anker-Effekts: Das beschriebene Problem der unbewussten Beeinflussung durch Schätzungen anderer wird umgangen, indem zunächst jeder seine eigene Schätzung durchdenkt. Hat jeder diesen Prozess beendet, werden – im wahrsten Sinne des Wortes – die Karten auf den Tisch gelegt. So gelangt jeder zu einer eigenen Schätzung, die dann im Team diskutiert werden kann.
  • Ein gemeinsames Ergebnis: Spielerisch fließen nun alle Schätzungen ein, sie werden diskutiert und zum Schluss zu einem gemeinsamen Wert aufgebaut, der zu einem dem Kollektiv entsprungenen Ergebnis führt.
  • Alle machen mit: Bei vielen Diskussionen ist es so, dass nur ein Kern an Teammitgliedern tatsächlich daran beteiligt ist. Andere, stillere Mitglieder, ziehen sich zurück und geben von sich aus keine oder nur wenige Impulse. Beim Planning Poker muss jeder seine Schätzung abgeben. So entsteht ein umfassenderes Bild der individuellen Schätzungen[1].

Planning Poker mit Tabletops[Bearbeiten]

Mit dem Tabletop (übersetzt: Tischplatte) werden normalerweise Spiele gespielt, bei denen sich auf der Tischplatte Miniaturfiguren befinden[2]. In der agilen Softwareentwicklung können Tabletops jedoch auch zum Einsatz kommen. Hier werden beim Planning Poker Tabletop Computer verwendet, die die Form eines Tisches haben und bei denen die grafische Ausgabe über ein horizontales Display oder durch die Projektion auf eine horizontale Oberfläche genutzt wird. Die Bedienung kann zum Beispiel über ein Multitouch erfolgen. Das Tabletop sollte möglichst einfach aufgebaut sein, um potenzielle Ablenkungen der Teammitglieder zu vermeiden. Es kann sich bereits durchgeführter Aufgaben bedienen, die die Schätzung erleichtern sollen.

Team Estimation Game als Alternative zu Planning Poker[Bearbeiten]

So spielerisch die Methode Planning Poker auch ist, die Diskussionen um die formulierten Schätzwerte können sehr lang und schwerfällig werden. Eine Alternative kann das Team Estimation Game sein, das ebenfalls in der agilen Softwareentwicklung angewendet wird. Bei der Durchführung werden alle schätzenden Story Cards auf einen Stapel gelegt, wobei sie verdeckt sind. Jedes Teammitglied (auch bei dieser Methode machen alle mit, inklusive des Product Owners bei Scrum) nimmt die jeweils oberste Karte und liest die darauf stehende Beschreibung vor. Danach wird die Karte an der Tafel befestigt. Der nächste Teilnehmer hängt die nächste vorgelesene Karte entweder rechts oder links neben die zuvor angebrachte; je nachdem, ob er die Story seiner Karte für aufwändiger oder weniger aufwändig hält. Bei Aufgaben, die als ähnlich komplex erachtet werden, wird die Karte darunter aufgehängt. Wenn die dritte Story Card aufgehängt wurde, haben die nachfolgenden Teilnehmer die Möglichkeit, eine weitere Karte zu ziehen oder eine der bereits genutzten Karten umzuhängen. Als dritte Option besteht die Möglichkeit, eine Runde auszusetzen. Wird eine Karte von einem Teilnehmer neu positioniert, kann der Teilnehmer, der das tut, eine kurze Erklärung bzw. Begründung abgeben. Diese wird allerdings nicht als Aufforderung zu einer Diskussion verstanden. Sind alle Karten vom Tisch und an der Tafel, endet das Spiel und die eigentliche Schätzung beginnt[3].

Bedeutung für das Development[Bearbeiten]

Um den Prozess des Schätzens attraktiver zu machen, ist Planning Poker eine sinnvolle Methode. Da alle Teammitglieder integriert werden, entsteht ein umfangreiches Bild, zudem wirkt sich die Einbeziehung aller in der Regel positiv auf die Motivation der Mitarbeiter und Identifikation mit dem Projekt aus. Die beschriebene Gefahr, dass die Diskussionen um die richtige Schätzung entgleiten, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Daher ist es wichtig, eine genaue Struktur vorzugeben, ohne den spielerischen Charakter zu gefährden. Oder gegebenenfalls auf andere Methoden des Schätzverfahrens zurückzugreifen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aufwänd schätzen mal anders: Planning Poker projekte-leicht-gemacht.de. Abgerufen am 19.01.2018
  2. Tabletop Definition de.wikipedia.org. Abgerufen am 19.01.2018
  3. Kollaborative Aufwandsschätzung am digitalen Tabletop mg.inf.tu-dresden.de. Abgerufen am 19.01.2018

Weblinks[Bearbeiten]