Cash Conversion Rate


Die Cash Conversion Rate (kurz: CCR) ist eine wirtschaftliche Kennzahl aus dem Controlling. Sie bildet das Verhältnis zwischen Cashflow (deutsch: Geldfluss) und Nettogewinn ab. Die Cash Conversion Rate wird stets mit Bezug zu einer bestimmten Zeitperiode ermittelt, zum Beispiel für ein Quartal oder ein Jahr. Die CCR lässt sich somit als die Fähigkeit von Unternehmen interpretieren, Gewinn in verfügbares Barvermögen umzuwandeln. Durch den Zeitbezug ist sie eine Größe, die Aufschluss über die Dauer der Kapitalbindung gibt. Damit wird die Geschwindigkeit bezeichnet, mit der ein Unternehmen Geldabflüsse in Geldzuflüsse verwandeln kann.

Allgemeine Informationen zum Thema[Bearbeiten]

Die Cash Conversion Rate ist ein relativ junges Instrument, das vor allem im Industriesektor verwendet wird. Im Gegensatz zum Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), welches einen Vergleich zwischen den Aktienwerten unterschiedlicher Unternehmen erlaubt und somit relativ ist, ist die Cash Conversion Rate eine absolute Kennzahl, die auf die tatsächliche Liquidität eines Unternehmens schließen lässt. Aus diesem Grund ist die CCR ein wichtiges Instrument für Finanzinvestoren und ein Indiz für die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens.[1]

Die Cash Conversion Rate wird zudem häufig um Wachstumskennzahlen ergänzt, um herauszufinden, wie sich das Wachstum zum tatsächlichen Gewinn verhält. Auf diese Weise können Faktoren wie die Kapitaleffizienz, der Kapitalumschlag und das profitable Wachstum eingeschätzt werden – zum Beispiel um Blasen zu verhindern. Konkret bedeutet dies, dass junge wachsende Unternehmen wie Startups versuchen, einen sogenannten Turning Point (deutsch: Wendepunkt) zu erreichen – also einen Punkt, an dem sich die getätigten Investitionen auszahlen und das Unternehmen profitabel ist.

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Berechnung der Cash Conversion Rate[Bearbeiten]

Die Grundlage zur Berechnung der CCR ist der Cashflow. Es gibt grundsätzlich zwei Wege, um den Cashflow zu ermitteln. Zum einen können alle Unternehmensgewinne herangezogen werden, um sie von Investitionen zu bereinigen. Die sogenannte direkte Ermittlung zieht alle betrieblichen Aufwendungen wie Löhne, Materialkosten oder Steuern von den Erträgen wie Umsatzerlösen oder Desinvestionen (zum Beispiel Verkäufe von Unternehmensteilen) ab. Zum anderen kann die Gesamtbilanz eines Unternehmens herangezogen werden. Die indirekte Ermittlung würde Abschreibungen oder Rückstellungen zunächst addieren, um dann einnahmenneutrale Erträge und Zuschreibungen zu subtrahieren.

Sobald der Cashflow ermittelt wurde, kann dieser Wert durch den Gewinn nach Steuern geteilt werden. Ist die Cash Conversion Rate größer als 1,0 ist dies in der Regel ein positives Zeichen, weil dann Geldmittel für Investitionen und Dividenden für Anleger vorhanden sind. Ist der Wert negativ, deutet dies daraufhin, dass das Unternehmen bei seinen derzeitigen Aktivitäten Verluste macht und nicht liquide ist. Die Formel für die Cash Conversion Rate in Kurzform:

 CCR = Cashflow / Nettogewinn 

Wird die Cash Conversion Rate ermittelt, zeigt sie schließlich die durchschnittlich Dauer an, in welcher Kapital gebunden ist und der Vorfinanzierung von Umsatz dient. In einfachen Worten: Die CCR zeigt an, ob ein Unternehmen lange warten muss, bis die Investitionen sich in Umsatz und schließlich Gewinne umwandeln.

Beispiel für die Cash Conversion Rate[Bearbeiten]

Siemens verwendet die Cash Conversion Rate im Rahmen von Steuerungsinstrumenten, die ein effektives Working Capital Management zur Folge haben. 2006 betrug die CCR 0,64. Das Unternehmen ergriff ab 2006 verschiedene Maßnahmen, um den CCR gezielt zu erhöhen. Zum Beispiel eine Reduktion von überfälligen Forderungen um 50% oder Zahlungsziele, die auf Kunden und Lieferanten abgestimmt sind. 2007 ist der Wert für die ersten sechs Monate mit 1,11 angegeben.[2] Es kann vermutet werden, dass dies eine Folge der ergriffenen Maßnahmen ist. 2013 betrug die CCR hingegen lediglich – 1,11, was sich jedoch auf hohe Investitionen und Zukäufe anderer Unternehmen zurückführen lässt. Die Geldmittel wurden aufgewendet, um das eigene Portfolio zu optimieren.[3]

Bedeutung für das Online Marketing[Bearbeiten]

Im Online Marketing dürften die Werte für die Cash Conversion Rate im Vergleich zur Industrie relativ hoch sein. Bestellt ein Kunde einen Artikel online, liefert der Händler diesen in der Regel erst aus, wenn ein Zahlungseingang erfolgt ist oder zumindest das Zahlungsmittel den Eingang in kurzer Zeit erwarten lässt. In der Summe führt dies zu einer hohen CCR. Unternehmen wie Amazon treiben dieses Prinzip noch auf die Spitze: Sie bezahlen ihre Lieferanten erst, wenn ein Geldeingang der Kunden erfolgt ist. Somit sind die CCR-Werte von Amazon noch höher.

Allerdings wirken sich Faktoren wie Inventar und hohe Lagerbestände negativ auf den Cashflow aus, denn diese Mittel werden bei der Berechnung abgezogen. Geschäftsmodelle wie Drop and Ship oder digitale Waren wie eBooks oder Podcasts bilden hier Ausnahmen. In der Industrie kann es durchaus ein halbes Jahr dauern, bis sich Investitionen amortisieren. Im Online Marketing sind diese Prozesse wesentlich kurzlebiger. Zumal Startups und noch junge Unternehmen insbesondere zu Beginn ihrer Geschäftstätigkeit hohe Investitionen tätigen, die sich negativ auf die Verfügbarkeit von Geldmitteln auswirken. Entscheidend für Online Marketer sind deshalb auch der zeitliche Kontext, die Branche und das Geschäftsmodell, wenn sie die Cash Conversion Rate zur Unternehmensbewertung und -optimierung heranziehen.

Für Anleger spielt die Cash Conversion Rate eine wichtige Rolle, denn Sie zeigt, in welchem Umfang ein Unternehmen Investitionen tätigen kann. Zugleich gibt die Kennzahl darüber Auskunft, mit welcher Wahrscheinlichkeit, Gewinne aus der Geldanlage zu erwarten sind. Bei Startups weist die CCR meist einen negativen Wert auf. Aus diesem Grund ist die Kennzahl gerade für Business Angels oder Inkubatoren meist nur einer von vielen Richtwerten. Die Verluste in der Startphase von jungen Unternehmen werden dann meist durch weitere Investorenrunden ausgeglichen. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Break-Even durch weitere Investitionen in Marketing oder Produkte schneller erreicht wird und sich das Investment schließlich auszahlt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Barbestand erfreut Aktionäre focus.de. Abgerufen am 03.08.2015
  2. Neue finanzielle Zielgrößen für die Siemens AG Return on Capital Employed und Cash Conversion Rate siemens.com. Abgerufen am 03.08.2015
  3. Konzernzwischenbericht equitystory.com. Abgerufen am 03.08.2015

Weblinks[Bearbeiten]