Cognitive Walkthrough

Mit dem sogenannten “Cognitive Walkthrough” (kurz: CW) wird eine Methode der Usability Inspection bezeichnet, die angewandt wird, um im Vorfeld ein Produkt in einer simulierten Nutzungssituation zu testen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Bedeutung der Usability und der User Experience haben spätestens seit Beginn der 2000er-Jahre enorm zugenommen. Hierfür sorgen u.a. Vereinigungen wie der German UPA. In gleichem Maße werden heute für die Produktentwicklung eigene Testverfahren angewandt. Der Cognitive Walkthrough ist dabei ein Verfahren, das bereits in den 1990er-Jahren in der Kognitionswissenschaft entwickelt wurde. Als Grundlage hierfür dient das Verständnis, dass der Mensch durch Entdecken lernt. Ebenso werden auch Cognitive Walkthrougs angelegt. Ziel ist es, ein Programm zu entwerfen, das der User nahezu intuitiv nutzen kann.

Einzelschritte und Umsetzung[Bearbeiten]

Wird ein Cognitive Walkthrough durchgeführt, erfolgt dies meist in vier Etappen:

1. Schritt: Vorbereitung
Hier wird der typische User zunächst charakterisiert und definiert, ebenso ganze Nutzergruppen. Danach werden Beispielaufgaben und ebenso der Weg in bestimmten Handlungssequenzen fixiert, die der User durchführen muss.

2. Schritt: Analyse der Handlungsequenzen
Der Experte überprüft jetzt jeden Einzelschritt einer zuvor definierten Handlungssequenz. Dabei hinterfragt er z.B. jede einzelne Benutzereingabe einer Software.

3. Schritt: Festhalten von möglichen Problemen
Nun versucht der Tester mögliche Probleme bei der Bedienung zu ermitteln. Hierfür erfasst er nötige Daten sowie Fragen zur Nutzung.

4. Schritt: Überarbeitung der Nutzeroberfläche
Aus der Analyse der vorangegangenen Schritte gibt es mögliche Hinweise für Verbesserungsmöglichkeiten des Produkts.

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Cognitive Walkthrough vs. Usability Test[Bearbeiten]

Der CW ist wie der Usability Test ein Verfahren, um die Nutzer-/Anwenderfreundlichkeit eines Produktes zu testen. Dennoch unterscheidet er sich von zweitgenanntem deutlich. Hier werden beide Methoden kurz gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede genauer zu beleuchten:

Vorteile für den Cognitive Walkthrough[Bearbeiten]

  • kostengünstig
  • wenig Aufwand
  • kognitive (theoretische) Testmethode
  • meist reicht ein Experte
  • schon in frühem Entwicklungsstadium durchführbar
  • Ziel ist es, herauszufinden, wie leicht ein Produkt erlernbar ist
  • sehr detaillierte Analyse der Aufgaben nötig
  • Bewertung nicht durch „echte“ User
  • Auswertung erfolgt während der Simulation
  • User werden simuliert und sind nicht echt

Vorteile für den Usability Test[Bearbeiten]

  • Ziel ist die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit eines bestehenden Systems
  • empirische (praktische) Testmethode
  • mehrere Testpersonen beteiligt
  • erst in später Entwicklungsphase möglich
  • Aufgabenstellung variable
  • aufwändigere Testumgebung (z.B. Eye Tracker)
  • Auswertung nach Test nötig

Konkrete Erkenntnisse[Bearbeiten]

Ein Cognitive Walkthrough kann vor allem beim Design einer Website oder der Gestaltung eines Programms helfen. Die Erkenntnisse können z.B. dazu führen, dass Buttons anders positioniert werden. Ebenso kann ein CW dabei helfen, den Content einer Website zu optimieren, indem z.B. zusätzliche Informationen auf die Website gesetzt werden, damit der User sich darauf besser zurechtfindet.

Nutzen[Bearbeiten]

Der Nutzen eines Cognitive Walkthroughs kann vielseitig sein. So kann die nutzerfreundliche Platzierung von Seitenelementen u.a. die Verweildauer erhöhen. Im weitesten Sinne kann ein CW somit auch Bestandteil der Onpage Optimierung sein. Darüber hinaus ist es möglich, dass eine hinsichtlich ihrer Usability optimierte Website zu einer besseren Nutzererfahrung und somit zu zufriedeneren Besuchern führt. Kommerziell orientierte Webangebote profitieren dadurch von höheren Conversions.

Weblinks[Bearbeiten]