Shitstorm

Bei einem Shitstorm handelt es sich um ein Internetphänomen, das sich vorwiegend in Sozialen Netzwerken abspielt. Dabei werden Social Media Profile von Unternehmen, Privatpersonen oder Prominenten in übertriebener und massenhafter Weise mit Kritik, Beleidigungen und negativen Kommentaren regelrecht überflutet. Der Shitstorm kann sich dabei auch weit vom eigentlichen Thema oder Ursprung entfernen. Ein Shitstorm kann sich viral verbreiten und wie aus dem Nichts entstehen, aber auch ebenso schnell wieder abebben.

Hintergrund[Bearbeiten]

Erstmalig wird in Deutschland vermutlich im Jahr 2010 der Begriff „Shitstorm“ im Zusammenhang mit einer diffamierenden Flut an Kritik im Web erwähnt. Geprägt hat den Begriff dabei nach eigenen Aussagen der Medienexperte Sascha Lobo in einem Blogartikel, in welchem er über die Themenwahl seiner Vorträge auf der CeBit und der re:publica abstimmen lassen wollte. Der erste Themenvorschlag lautete „How to survive shitstorms“.[1] In einem Beitrag für SpiegelOnline entschuldigt er sich selbst voller Ironie dafür, dass er „an der Verbreitung des doofen Wortes Shitstorm“[2] beteiligt war. Mit der zunehmenden Popularität Sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter stieg auch die Verwendung des Begriffs Shitstorm in den Medien. Die Suchmaschine Google liefert zu diesem Keyword mehr als eine Million Treffer (Stand: April 2015) Eine Analyse mit Google Trends scheint diese These zu bestätigen und verweist auch darauf, dass es das Wort „Shitstorm“ bis 2015 in einige Nachrichtenschlagzeilen geschafft hat.

Im Jahr 2011 wurde „Shitstorm“ zum Anglizismus des Jahres gewählt.[3]

Auslöser[Bearbeiten]

Es gibt keinen bestimmten Auslöser für einen Shitstorm. Dies macht das Phänomen deshalb sehr schwer vorhersehbar. Vielfach reicht es, wenn ein einzelner User sich zu Beginn des Shitstorms missverstanden fühlt, eine Sache nicht gut findet oder seine Kritik übermäßig äußert. Findet er andere User im Web, die seine Meinung teilen, zeigt sich die mögliche Viralität eines Shitstorms. Denn schnell können Inhalte über Soziale Netzwerke geteilt werden, positive wie negative.

3 Berühmte Beispiele[Bearbeiten]

Es gibt viele mögliche Beispiele für berühmte Shitstorms. Diese waren in den letzten Jahren besonders prägend.

  • Im Herbst 2010 wollte die Deutsche Bahn ein sogenanntes „Chef-Ticket“ für 25 EUR verkaufen. Mit diesem Ticket sollten Bahnfahrer durch ganz Deutschland zum Schnäppchentarif fahren können. Doch die Netzgemeinde nahm das Produkt nicht an und übte lautstark Kritik am gesamten System Deutsche Bahn, indem massenhaft negative Meinungsäußerungen auf der Facebook-Seite des Bahndienstleisters abgegeben wurden.
  • Der Basketball-Profi Dirk Nowitzki ist schon seit vielen Jahren Werbefigur für die INGDiba. Als er in einem Werbespot eine Scheibe Wurst von einer Fleischerin erhält, ist dies für Vegetarier im Netz Grund genug, um einen Shitstorm gegen ihn und die Bank, für die er wirbt, zu entfachen.
  • Henkel, der Hersteller der Spülmittelmarke Pril, startete im Jahr 2011 einen Kreativwettbewerb auf Facebook, bei dem die User Vorschläge für Pril-Etiketten machen durften. Die besten Designs sollten durch Abstimmungen ermittelt werden. Nachdem aber nur Spaß-Vorschläge auf den ersten Plätzen waren, beendete Pril den Wettbewerb kurzerhand und erntete dafür massiv Kritik, die sich in einen veritablen Shitstorm auf Facebook verwandelte.

Folgen für das Online-Marketing[Bearbeiten]

Die größte Gefahr eines Shitstorms besteht darin, dass er sich nicht kontrollieren lässt und nicht genau absehbar ist, welche Konsequenzen die massenhaft negative Kritik für ein Unternehmen oder eine berühmte Persönlichkeit hat. In den meisten Fällen ist mit einem Reputationsschaden zu rechnen, der mit der Zeit behoben werden kann oder mit Hilfe von Krisen-PR abgemildert werden muss. Für die Marketing-Planung bedeutet dies, dass mögliche Kritikpunkte im Vorfeld genau analysiert werden sollten. Doch trotz aller vorausschauenden Maßnahmen ist die Gefahr eines Shitstorms nie gänzlich gebannt. Allerdings kann ein Shitstorm auch für zusätzliche Beachtung sorgen. Wenn ein Unternehmen es versteht, einen Shitstorm für seine Reichweite zu nutzen, indem es offensiv mit den Schmähungen im Netz umgeht, zieht es sogar Vorteile aus einem ursprünglich nur negativ konnotierten Phänomen, wie das Unternehmen True Fruits 2015 beweisen konnte, als es sich zunächst mit Sexismusvorwürfen im Netz konfrontiert sah. [4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ABSTIMMUNG: MEIN VORTRAG AUF CEBIT WEBCIETY UND RE:PUBLICA 2010 saschalobo.com Abgerufen am 09.04.2015
  2. Sascha Lobo über die Entstehung des Begriffs Shitstorm spiegel.de Abgerufen am 09.04.2015
  3. Anglizismus des Jahres 2011 anglizismusdesjahres.de Abgerufen am 09.04.2015
  4. Shitstorm True Fruits begegnet Sexismuskritik mit Humor wuv.de Abgerufen am 09.04.2015

Weblinks[Bearbeiten]