Hyperlokalität

Der Begriff Hyperlokalität wird drei Bereichen zugeordnet. Er steht für den Zustand der digital verlinkten und örtlich lokalisierbaren Geräte und Objekte. Er bezeichnet die Form des Journalismus, der auf lokale Bereiche beschränkt ist. Und er wird im Marketing verwendet, das sich auf spezifische geografische Gegebenheiten bezieht. Wie sich zeigt, überschneiden bzw. bedingen sich diese Bereiche teilweise gegenseitig.

Da die Nutzung mobiler Geräte in rasantem Tempo zugenommen hat und weiterhin zunehmen wird, ergeben sich neben neuen Chancen auch neue Herausforderungen. So suchen immer mehr Nutzer unterwegs spontan oder geplant nach Produkten, Dienstleistungen und anderen Angeboten, die sich in direkter Nähe befinden. Laut einer Studie vom „Handelsverband Deutschland“ und dem „Web Research Center der Hochschule Niederrhein“ nutzen 39 Prozent der Befragten das Prinzip „Online nachschauen, offline kaufen“. Sogar 83 Prozent der Teilnehmer gaben an, sich regelmäßig mobil und online über Angebote in der Nähe zu informieren[1]. Aus geografischen und logistischen Gründen greift hier lokales Marketing zu kurz, insbesondere weil immer mehr Menschen auf ein Auto verzichten und zu Fuß, per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs sind.

Allgemeine Informationen zum Hyperlokalität[Bearbeiten]

Gemäß der Marketingagentur Blue Found Media[2] steht Hyperlokalität für digitales Marketing, das sich auf spezifische geografische Gebiete oder einen speziellen Ort bezieht. Auf den ersten Blick scheint zwischen lokalem und hyperlokalem Marketing kein Unterschied zu bestehen, steht doch bei beiden Marketingformen die lokale Aktivität im Fokus. Hyperlokalität grenzt jedoch die Aktivitäten stärker ein. Während bei lokalem Marketing beispielsweise eine bestimmte Stadt im Vordergrund steht, schränkt Hyperlokalität die Auswahl etwa auf einen Umkreis von 50 Metern in Bezug auf eine Kreuzung, ein bestimmtes Gebäude oder andere Fixpunkte ein.

Den Begriff Hyperlokalität prägte Bruce Sterling im Jahr 2007. Er drückte damit die Verschmelzung von physischer und virtueller Welt aus. Sterling nennt dabei zwei weitere Elemente, die Kommunikationstechnologie, die die Verbindung zwischen virtueller und physischer Welt herstellt. Und die daraus resultierende neue Realität, die auch als ”Augmented Reality” bezeichnet wird. Die physische Welt setzt sich aus Produkten, Personen, Straßen, Geschäften usw. zusammen. Die virtuelle Welt wird durch Informationen, menschlichen Verhaltensweisen und deren Interessen abgebildet. Als Kommunikationstechnologie bezeichnete Sterling seinerzeit vornehmlich smarte Mobiltelefone, heute kommen weitere smarte Geräte hinzu, die die Hyperlokalität erst möglich machen. Mit der neuen Wirklichkeit, also der „augmented reality“ sind weiterführende Informationen über Menschen, Räume und Produkte gemeint, die auf Abruf bereitstehen und einen tieferen Blick in die physische Realität erlauben[3].

Beispiel: Sportkurse[Bearbeiten]

Gerade die Informationsvielfalt des Internets kann zur Überforderung der Nutzer führen. Am Beispiel von Sportkursen lässt sich die Wirksamkeit von Hyperlokalität aufzeigen. Das Unternehmen „becoacht“, das durch „Telefonica“ gefördert wird, hat sich auf Sportkurse spezialisiert. Ziel ist es, für jeden Sportler den passenden Kurs zu finden und damit die direkte Umgebung der Zielgruppe zu berücksichtigen.

Alleine in Deutschland gibt es mehr als 90.000 Sportvereine und 8.000 Fitness-Studios (Stand: 2014). „becoacht“ bietet eine Web-Plattform, die Anbieter und Nachfrager lokal zusammenbringt und darüber hinaus mit jedem neuen Ort ein breit aufgestelltes Netzwerk aufbaut. Für das Unternehmen stehen Verlässlichkeit und Transparenz im Vordergrund, denn nur wenn beide Seiten am Ende zufrieden sind, kann sich das Angebot weiter entwickeln und neue Kunden hinzugewinnen[4].

Journalismus, Marketing und Hyperlokalität[Bearbeiten]

Da auch der Journalismus stark von Werbeeinnahmen abhängig ist, gehört die Hyperlokalität hier ebenfalls längst zu den Marketinginstrumenten. Die eingangs angesprochenen drei Bereiche, die von der Hyperlokalität betroffen sind, ergänzen sich also gegenseitig. Im Falle des Journalismus sind die Medienhäuser einerseits auf lokale Angebote angewiesen, andererseits gehören Dienste wie Facebook, Twitter oder WhatsApp zum täglichen Angebot. Über Hyperlokalität können analoge Angebote vor Ort mit zielgenauer Werbung über soziale Medien und andere Kanäle verbunden werden, die Zielgruppe wird ohne große Streuverluste erreicht[5].

Bedeutung für das Online Marketing[Bearbeiten]

Um die Bedeutung der Hyperlokalität auf einen Punkt zu bringen, lohnt sich der Blick auf ein Zitat von Sir Martin Sorrel[6], der die Relevanz von Hyperlokalität folgendermaßen zusammenfasst: „Die mobile Standortbestimmung ist der heilige Gral des Marketings. Wenn man die Verbraucher erreichen kann, während sie in der realen Welt unterwegs sind und gleichzeitig mit der digitalen Welt interagieren, kann tatsächlich das von Werbetreibenden lang gesteckte Ziel erreicht werden: Die richtige Kampagne für die richtige Zielgruppe, am richtigen Ort zur richtigen Zeit.“

Hyperlokalität lohnt sich nicht nur für große Unternehmen, sondern ist auch für mittelständische und kleine Unternehmen sinnvoll und meist leicht umsetzbar, da sie nicht sehr kostenintensiv ist[7].

Da die Suche nach Angeboten in der Nähe über Smartphones und andere Geräte auch in Zukunft weiter zunehmen wird, wird der Stellenwert von Hyperlokalität weiter an Bedeutung hinzugewinnen. Für das Online Marketing bieten sich auf diesem Gebiet zahlreiche Möglichkeiten, und zwar, wie aufgezeigt wurde, in ganz unterschiedlichen Branchen und Bereichen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Möglichkeiten mobiler und hyperlokaler Werbeanzeigen - eine Bestandsaufnahme winlocal.de. Abgerufen am 11.05.2017
  2. Hyperlokalität hausarbeiten.de. Abgerufen am 11.05.2017
  3. Hyperlokales Marketing books.google.de. Abgerufen am 11.05.2017
  4. Hyperlokales Brand building von becoacht blog.telefonica.de Abgerufen am 11.05.2017
  5. Medienhäuser im Wandel, Hyperlokalität und Echtzeit-Analyse versfrankblog.com Abgerufen am 11.05.2017
  6. Martin Sorell de.wikipedia.org Abgerufen am 11.05.2017
  7. Die Möglichkeiten mobiler und hyperlokaler Werbeanzeigen - eine Bestandsaufnahme winlocal.de Abgerufen am 11.05.2017

Weblinks[Bearbeiten]