Millersche Zahl

Die Millersche Zahl wurde von George A. Miller geprägt. Im Englischen wird sie auch als „The Magical Number Seven“ oder „Plus or Minus Two“ bezeichnet. Die Millersche Zahl besagt, dass der Mensch nur maximal 7±2 an Informationseinheiten (auch „Chunks“ genannt) mittels seines Kurzzeitgedächtnisses erfassen kann. Das Entscheidende an der Millerschen Zahl ist die Tatsache, dass die Größe des Kurzzeitgedächtnisses nicht gesteigert werden kann. Selbst durch Training kann der von Miller ermittelte Wert nicht erhöht werden.


Allgemeine Informationen zum Thema[Bearbeiten]

Bereits vor mehr als 300 Jahren entdeckte John Locke ebenfalls das sogenannte „Seven Phenomenon“, als er untersuchte, wie es um die Auffassungsgabe des Menschen steht. Er testete, wie viele Dinge sich Menschen merken können, nachdem ihnen nur einen Moment Zeit dafür gelassen wurde, sich diese einzuprägen. Während bei bis zu sieben Gegenständen die Trefferquote bei nahezu 100 Prozent lag, sackte dieser Wert erheblich ab, wenn acht oder mehr Gegenstände gezeigt wurden. Die wenigen Menschen, die dennoch in der Lage sind, sich etwa acht Dinge zu merken, galten und gelten als überdurchschnittlich[1].


Die Millersche Zahl im Internet, beim Projektmanagement und in der Kommunikation[Bearbeiten]

Die Tatsache, dass der Mensch nicht mehr als sieben Inhalte gleichzeitig verarbeiten kann, wirkt sich auf nahezu alle Lebensbereiche aus und kann erklären, wie Probleme unterschiedlichster Art entstehen. Daher raten Experten aus verschiedenen Fachbereichen unter anderem zu folgenden Handlungen, um nicht in einen Konflikt mit der Millerschen Zahl zu kommen:

  • Bei Präsentationen oder Fortbildungen sollten auf Powerpoint-Folien, Whiteboards oder Flip-Charts nicht mehr als sieben Aussagen formuliert werden.
  • Auch Argumentationsketten oder zusammenfassende Listen sollten die maximale Anzahl von sieben Punkten nicht überschreiten.
  • Bei der Darstellung komplexer Systeme oder Organisationen sollte die Struktur nicht über sieben Ebenen hinausgehen.
  • Um für die Betrachter nachvollziehbar zu bleiben, sollten auch Kausalketten und logische Verknüpfungen mit nicht mehr als sieben Elementen angezeigt werden.
  • Lerneinheiten sollten sinnvollerweise in sieben Arbeitsschritte eingeteilt werden.
  • Tipps – egal, welcher Art – sollten auf sieben davon beschränkt werden.
  • Rubriken auf Internetseiten sollten ebenfalls auf sieben beschränkt bleiben.

Gänzlich unumstritten ist die Herangehensweise der Millerschen Zahl nicht. Das wird teilweise damit begründet, dass diese Zahl aus der Lernpsychologie kommt und sich nicht – so die Kritiker – allgemein auf andere Bereiche übertragen lässt.

Dennoch orientieren sich zahlreiche Berater, Coaches oder auch Lehrer an der Millerschen Zahl. Gerade wenn es um die Vermittlung anspruchsvoller Inhalte geht, steht an erster Stelle, die Teilnehmenden nicht zu überfordern, um einen Lerneffekt zu erzielen. Als Richtwert hierfür bietet sich die Millersche Zahl an[2].


Die Millersche Zahl und UX[Bearbeiten]

Mit der wachsenden Zahl von Informationen (Chunks) auf einem Interface wird die Verarbeitung für die Nutzer schwieriger. Besonders betroffen sind Erstbenutzer, die nicht über Informationen verfügen, die sie aus dem Langzeitgedächtnis hervorholen können. Da zusätzlich die Kurzzeiterinnerung natürlichen Grenzen ausgesetzt ist, wird das Problem, ein funktionierendes Produkt zu gestalten, um einen weiteren Faktor erhöht. Die Nutzer sollten also davon verschont bleiben, zu viele Informationen gleichzeitig verarbeiten zu müssen.

Eine weitere Herausforderung beim Design-Prozess ist das Hinzufügen neuer Features. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass die neuen Funktionen nicht dazu führen, die zuvor geschaffene visuelle Grundlage zu behindern oder gänzlich zu zerstören.

Doch die Thematik der Millerschen Zahl ist noch komplexer. So wurde beispielsweise der sogenannte „Primacy-Recency-Effekt“ untersucht. Er zeigt auf, dass Objekte, die früher oder später gesehen werden, von den Nutzern besser aufgenommen werden können. Die Rede ist hier von Primäreffekten und Rezenzeffekten.

Für den Design-Prozess bedeuten diese Erkenntnisse Fragestellungen, wie die positiven Erfahrungen zu Beginn und am Ende sich in den Prozess integrieren lassen und somit den Nutzern Mehrwert bringen, ohne sie zu überfordern. Der Designer muss sich also fragen, ob bestimmte Elemente sinnvollerweise an den Anfang oder das Ende gesetzt werden.


Bedeutung für die UX[Bearbeiten]

UX muss sich an die Umstände anpassen, die die Menschen umgeben. Dazu gehört, dass wir in einer Welt leben, in der die Informationsmenge stetig zunimmt. Das führt jedoch nicht dazu, dass diese Menge auch erfolgreich verarbeitet werden kann. Im Gegenteil, wenn das menschliche Hirn mit Informationen überflutet wird, reagiert es damit, sich selbst abzulenken und bestimmte Inhalte nicht mehr aufnehmen zu können. Für Designer ist das Pareto-Prinzip in diesem Zusammenhang bedeutsam. Es besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden.

Die Millersche Zahl kann helfen, die vorliegenden Informationen so zu dosieren, dass es möglichst zu keiner Reizüberflutung kommt. Ist dieser Punkt erst einmal erreicht, werden die Nutzer unweigerlich abgelenkt, nehmen die Informationen nicht mehr auf und reagieren auf Informationen ablehnend[3].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dewiki deacademic.com Abgerufen am 30.06.2020
  2. millersche zahl karrierebibel.de Abgerufen am 30.06.2020
  3. millers law wichtigste regel t3n.de Abgerufen am 30.06.2020

Weblinks[Bearbeiten]