Minimal Viable Product

Minimal Viable Product (MVP) kann als Produkt mit wenigen Eigenschaften definiert werden. Dabei handelt es sich jedoch um kein abgeschlossenes, ausgereiftes Produkt, sondern um eines, das in der Regel zu Testzwecken verwendet wird, um die grundlegende Funktionalität bzw. die Idee dahinter zu überprüfen.

Ziel ist die Weiterentwicklung des Produktes mit einem minimalen Aufwand. Die Idee von Minimal Viable Product gilt auch als Lean-Start-up-Gedanke, der seinerseits entstand, als zahlreiche neue Unternehmen im Zuge der Dotcom-Blase mit ihren Geschäftsideen scheiterten. Lean-Start-up steht für „schlanke“ Neugründungen, um das finanzielle Risiko zu minimieren [1].

Ein Minimal Viable Product kann in verschiedenen Bereichen angewendet werden, also etwa für Produkte, Geschäftsideen, Vermarktung oder Dienstleistungen. Bei einem MVP kann es sich um ein Mock up, eine Probe, ein Muster, eine Betaversion, einen Smoke Test, einen Erlkönig und andere Varianten handeln. Bedeutung hat ein Minimal Viable Product in der System-, Software-, App- und Produktentwicklung und bei allen Vorgängen, die zur agilen Softwareentwicklung gehören.

Allgemeine Informationen zum Thema

Bei einem MVP geht es nicht um den Anspruch, ein Produkt mit möglichst wenigen Funktionen zu entwickeln. Vielmehr soll mit minimalem Aufwand herausgefunden werden, wie man die Anforderungen des Kunden an das Produkt am besten gestalten und umsetzen kann. So soll das Produkt zwar einerseits so brauchbar sein, dass es einen praktischen Nutzen liefert. Andererseits aber wird an der weiteren Entwicklung und Verbesserung gearbeitet. Möglich ist dies jedoch nur, wenn es ein angemessenes Feedback durch den Kunden oder Auftraggeber gibt, da sonst die weitere Entwicklung auf Annahmen basiert, die nicht gesichert sind und in die falsche Richtung führen können. Wie so oft in der agilen Softwareentwicklung soll keine frühzeitige Festlegung auf das finale Produkt erfolgen, sondern kleinschrittig am Fortschreiten der Idee gearbeitet werden [2].

Überwiegend Vorteile durch MVP

Kritiker der Idee von Minimal Viable Product bemängeln, dass dahinter die Gefahr besteht, Kunden zu irritieren und zu verärgern. Dies trifft jedoch nur in den seltensten Fällen zu und dann auch meist, weil die Durchführung mangelhaft ist. Der Gegenentwurf zu MVP heißt SLC (simple, lovable, complete) und basiert auf Produkten, die sich von vornherein durch ihre Einfachheit auszeichnen. Allerdings erfüllen solche Produkte längst nicht immer die an sie gestellten Anforderungen. Drei Aspekte der heutigen Zeit sprechen für die Verwendung von MVP:

1. Geschwindigkeit: Durch die Globalisierung und die rasanten technischen Entwicklungen entstehen Veränderungen und Neuerungen in einem schnellen Tempo. Mit MVP kann man auf zeitnahe Entwicklungen angemessen reagieren.

2. Technologie: Die Digitalisierung und die häufig vorhandene Abhängigkeit der unterschiedlichen Technologien untereinander sowie zahlreiche Schnittstellen zum Kunden führen oft zu Unsicherheit und Unübersichtlichkeit. Dadurch werden Projekte am Reißbrett nur schwer planbar. Das macht eine veränderte Praxis notwendig, die auf Versuchen und Tests basiert. Kleinschrittige Entwicklungen bieten hier gute Möglichkeiten, Fehler schneller zu erkennen und darauf zu reagieren.

3. Kundennähe: In einer faktisch grenzenlosen und digitalen Welt stehen den Kunden mehr Vergleichsmöglichkeiten zur Verfügung. Sie können zwischen unzähligen Anbietern auswählen und abspringen, wenn sie unzufrieden sind. Durch MVP wird der Kunde aktiv ins Geschehen einbezogen und so enger an das Produkt bzw. dessen Entwicklung gebunden[3].

Aspekte bei Minimal Viable Product

Gerade zu Beginn eines Projekts verlieren sich die Beteiligten oft in einer Vielzahl von Ideen, die teilweise gar nicht realisierbar sind. So geht wertvolle Zeit verloren, das Projekt zieht sich unnötig in die Länge. Sinnvoll ist daher, den Fokus von Anfang auf das Hinzufügen neuer Funktionen und Features zu legen. Beides muss in Abstimmung auf den Kunden und seine Bedürfnisse geschehen. Priorität hat dabei immer der Wert, den das Produkt für den Kunden oder für andere am Projekt Beteiligte hat. Folgende Aspekte sind bei der Definition des MVP zu berücksichtigen:

  • Der Schwerpunkt liegt auf dem Minimalismus. Ein Test zur Überprüfung kann sein, ein beliebiges Feature aus dem Produkt zu entfernen und zu überprüfen, ob es daraufhin keinen Nutzen mehr darstellt.
  • Für eine Rückwärtsplanung eignet sich MVP nicht. Vielmehr geht es darum, den Zeitpunkt der Auslieferung so früh wie möglich zu gewährleisten.
  • Vor der Definition des Minimal Viable Products muss eine konkrete Produktvision geschaffen werden, in der einzelne Funktionen und Features heruntergebrochen werden.
  • Das MVP muss ausreichend Potential enthalten, um im Wettbewerb konkurrenzfähig zu sein.

Die Herausarbeitung des MVP kann mittels Produktpostern oder Kartons erfolgen, im Team bzw. User-Votings oder nach dem Kano Modell[4].

Bedeutung für das Development

Da der Aufwand für ein MVP sich in Grenzen hält und keine großen Programmierkenntnisse vorhanden sein müssen, lassen sich ohne aufwändige Maßnahmen leicht Probleme lösen, die an anderer Stelle größere Herausforderungen bedeuten würden. Auch können Vorgänge zunächst von Hand erledigt werden, bevor sie in einer späteren Projektphase automatisch ablaufen. Dadurch kann zunächst auf aufwändige Programmierarbeiten verzichtet, viele Produkteigenschaften aber dennoch getestet werden. Zudem gibt es zahlreiche Baukastensysteme, die dabei helfen, erste Schritte zu machen und das eigene Konzept zu testen. MVP eignet sich gut, um Schritt für Schritt zu einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt zu gelangen[5].

Einzelnachweise

  1. Lean Startup Definition de.wikipedia.org. Abgerufen am 29.03.2018
  2. Minimal Viable Product t2informatik.de. Abgerufen am 29.03.2018
  3. Was muss ein Minimal Viable Product umfassen? t2informatik.de. Abgerufen am 29.03.2018
  4. Arbeiten mit dem Minimal Viable Product lean-bd.de. Abgerufen am 29.03.2018
  5. MVP unter der Lupe startplatz.de. Abgerufen am 29.03.2018

Weblinks

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