Erwartungskonformität

Erwartungskonformität ist Grundsatz der Dialoggestaltung in Software-Anwendungen und Websites, der sich auf die Interaktion zwischen Benutzer und System bezieht. Eine Anwendung oder Website ist erwartungskonform, wenn die Darstellung der Informationen den Erwartungen der Nutzer entspricht. Das ist nur der Fall, wenn die Informationsdarstellung einem einheitlichen Prinzip folgt, optisch leicht erkennbar ist und dem Nutzer die Möglichkeit gibt, leicht zu interagieren und die Inhalte aufzufassen.

Allgemeine Informationen

Erwartungskonformität ist in der DIN EN ISO 9241 Norm im Teil 110 definiert:

„Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn er konsistent ist und den Merkmalen des Benutzers entspricht, zum Beispiel seinen Kenntnissen aus dem Arbeitsgebiet und seinen Erfahrungen sowie den allgemein anerkannten Konventionen.“ [1]


Mit Bezug zu Software und Websites bedeutet das, dass die Benutzerschnittstelle ein einheitliches Design aufweisen sollte. Wird der Benutzer in der Interaktion plötzlich mit ganz anderen optischen Rahmenbedingungen konfrontiert, könnte er den Dialog abbrechen. Eine Software und eine Website sollte also gewissermaßen ein Corporate Design aufweisen. Die Erwartungen des Nutzers sind jedoch nicht nur ästhetische, sondern auch praktische: Eine Interaktion zwischen Mensch und Maschine folgt stets bestimmten Mustern. Da sehr viele Menschen schon einmal Software benutzt und Websites besucht haben, bilden sie bestimmte Präferenzen aus – sie gewöhnen sich an die Möglichkeiten der Interaktion, die die jeweilige Anwendung bietet. Zum Beispiel das Anklicken eines Dialogfeldes mit der Maus, die Eingabe eines Formulars mit der Tastatur oder das Verfolgen eines Hyperlinks.

Funktionen

Der Begriff Erwartungskonformität stammt aus der Software-Ergonomie und ist deshalb verbunden mit dem Usability-Engineering. Ziel ist es, dem Benutzer die Interaktion zu vereinfachen und ihn durch das Programm zu leiten. Gleichzeitig sollen die Interaktions-Muster möglichst genau abgebildet werden – d.h. die Möglichkeiten, die das System bietet, sollten vom Nutzer ausgeschöpft werden können, ohne dass er fachliches Wissen dafür benötigt. Diese Muster sollten auf der Software-Seite konsistent sein, um den Benutzern die Chance zu geben, sich auf die Inhalte zu konzentrieren. Sind sie inkonsistent, ist der Nutzer eher damit beschäftigt, die neuen Muster zu erlernen, als den eigentlichen Inhalt der Seite oder die Interaktionsmöglichkeiten einer Software zu erfassen. Eine Interaktion oder eine einfache Navigation wird auf diese Weise erschwert.

Da Nutzer aufgrund ihrer Erfahrungen mit Anwendungen und Websites bestimmte Erwartungen herausbilden, haben sie bei einer späteren Nutzung von Software und Websites bestimmte Ansprüche. Dass solche Anwendungen konform zu diesen Ansprüchen sind, ist ein weiterer Aspekt der Erwartungskonformität. Das Problem hierbei ist, dass nicht alle Nutzer bereits mit solchen Anwendungen und Systemen interagiert haben und Neulingen die Interaktion oft besonders schwerfällt. Ein ergonomisch konzipiertes System trägt beiden Aspekten Rechnung und bietet klare Interaktionsmuster in Form von einfacher Navigation, direkt erkennbarem Design und klaren Möglichkeiten der Aktivität (Vgl. Informationsarchitektur]

Bedeutung Usability

Erwartungskonformität ist ein nicht zu vernachlässigender Grundsatz bei der Gestaltung von Websites und weiteren Software-Anwendungen. Beim Besuch von Onlineshops finden beispielsweise viele Kaufabbrüche statt, wenn die Benutzer nicht einen einfachen Bestellvorgang vorfinden. Angefangen bei der Suche nach einem Produkt über den Warenkorb bis hin zur Bezahlung können die Interaktionsmuster so gestaltet werden, dass ein sogenanntes Guided-Selling (deutsch: Verkaufsführung) stattfindet und dadurch Kaufabbrüche minimiert werden können. Nicht zuletzt wirken sich solche Usability-Prinzipien auf eine hohe Konversionsrate aus.

Einzelnachweise

  1. Interaktion im Semantic Web | Ergonomie nach ISO 9241-110. vis.uni-stuttgart.de. Abgerufen am 20.06.2014.

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