Graceful Degradation

Mit dem Begriff „Graceful Degradation“ wird ein Prinzip bezeichnet, das ursprünglich für eine bessere Fehlertoleranz von Computersystemen sorgte, indem die mindestmögliche Funktionalität gewährleistet wurde. Im Bereich der Webentwicklung dient die Graceful Degradation heute der Darstellung der Basisfunktionen von Websites mit allen möglichen Browsern oder Endgeräten. Das Prinzip ist vor allem bei der Konzeption von Websites für mobile Endgeräte und Desktops wichtig geworden. Alle erforderlichen Daten werden dabei aus einer Datei gespeist.

Während bei der Graceful Degradation (dt. „angemessene Verringerung/Herabsetzung“) sukzessive Funktionen zurückgesetzt werden, wirkt das Prinzip des Progressive Enhancement so, dass nach und nach immer weitere Funktionen je nach vorhandenem Ausgabegerät hinzugefügt werden.

Hintergrund und Entwicklung

Graceful Degradation war und ist bis heute ein wichtiger Bestandteil bei der Implementierung großer Netzwerke. Ursprünglich als in Teilen militärisches Projekt der ARPA musste die Infrastruktur des Netzes in besonderem Maße resistent gegenüber Angriffen von außen wie Viren, Würmern oder DDoS-Attacken sein. Durch das Konzept der Graceful Degradation konnte und kann bis heute sichergestellt werden, dass das Netz funktioniert, auch wenn große Server oder auch Leitungen beschädigt sind. Somit existiert das Prinzip der Graceful Degradation schon seit der Etablierung erster Computernetzwerke. Heute kommt die Graceful Degradation bei der Konzeption von Websites zum Einsatz. Durch einen immer schnelleren Update-Rhythmus kann es dabei vorkommen, dass User eine ältere Browser-Version verwenden, obwohl bereits eine neuere verfügbar ist. Durch die Graceful Degradation ist sichergestellt, dass auch diese Nutzer die Basisfunktionen der Internetseite verwenden können. Die Website stellt somit Informationen bereit, die dem technischen Stand des jeweiligen Ausgabegeräts entgegenkommen. Ein gängiges Beispiel ist es, eine Alternative zu Flash-Anwendungen bereitzustellen. Da von diesen Maßnahmen nicht nur Desktop-PCs betroffen sind, sondern auch Smartphones oder Tablets, spielt die Graceful Degradation auch eine große Rolle bei der nachträglichen Mobilen Optimierung.

Meist wird das Prinzip der Graceful Degradation als eine Art Notlösung angesehen, wenn der Aufwand zu groß ist, eine Website komplett neu zu konzipieren.

Anwendungsmöglichkeiten

  • Eine ältere Website soll für verschiedene Ausgabegeräte optimiert werden, es fehlen jedoch Zeit und finanzielle Mittel um eine komplett neue Version aufzusetzen
  • Es wurde bei der Projektplanung zu wenig Zeit für ein sinnvolles Progessive Enhancement eingebaut
  • Die betroffene Website darf nicht sofort verändert werden, weil ein Relaunch Rankingverluste nach sich ziehen würde, die mit hohen finanziellen Einbußen verbunden sind

Umsetzung

Um eine Website hinsichtlich einer Graceful Degradation zu planen, müssen einige Vorüberlegungen erfolgen. So ist es zunächst wichtig zu wissen, welche Definition man selbst für den Minimal-Konsens an Funktionalität anlegen möchte. Zugleich sollten sich Webdesigner dabei überlegen, welche Browserversion die Website maximal noch unterstützen sollte.

  • Wenn CSS-Elemente entfernt werden, sollten Lesbarkeit und Usability des Contents nicht beeinträchtigt werden.
  • Skripte und Layer Objects wie Flash sollten immer über eine Textalternative abbildbar sein.
  • Formulare wie Kontaktformulare sollten auch über alternative Anzeigen wie die Telefonnummer oder die Mail-Adresse ersetzt werden können.
  • Fortschrittlichere Technologien wie Ajax sollten nicht die Grundfunktion der Seite ausmachen, sondern lediglich das Basisdesign optimieren.
  • Die Website sollte auch von einem textbasierten Browser gelesen werden können[1]

Zugleich sollte die Website für einen präferierten Browser ausgerichtet sein. Hier bietet es sich an, sich am aktuell modernsten Browser zu orientieren und die Website danach auszurichten. Zugleich können Webdesigner auch berücksichtigen, welches die meistverwendete Browserversion der Besucher der betreffenden Internetseite ist.

Um sicherzustellen, dass die Website auch mit einer veralteten Browserversion funktioniert, sollte sie mit diesen Versionen auch getestet werden. Um die Anzeige für diese älteren Systeme zu optimieren, sollten nur die nötigsten Downgrades vorgenommen werden. Dies gilt vor allem bei der Veränderung von Style Sheets. Während beim Design für die neueste Browserversion keine Abstriche gemacht werden sollten, steht beim Bereitstellen von Inhalten für ältere Internetprogramme das Design hinter der Funktionalität.

Praxisbeispiel

Eine gängige Methode, um Usern bei Reiseportalen die Printansicht ihrer Reisebuchung zu liefern, ist ein klickbarer Button. Dieser lässt sich jedoch nicht als HTML-Version programmieren, sondern ist meist nur über Java Script realisierbar. Da jedoch viele mobile Endgeräte oder auch manche ältere Browser kein Java Script unterstützen, ist es für manche User nicht möglich, ihre Reiseunterlagen sofort auszudrucken. Wird in diesem Fall nun das Prinzip der Graceful Degradation angesetzt, erhalten alle User, deren Browser kein Java Script unterstützt, eine entsprechende Meldung dazu sowie einen Hinweis, wie Abhilfe zu schaffen ist. Eine weitere Alternative wäre es auch, diese User darauf hinzuweisen, dass eine PDF-Version der Reiseunterlagen bereits per Mail verschickt wurde.

Graceful Degradation vs. Progessive Enhancement

Graceful Degradation setzt bei einem optimalen Ergebnis für einen zuvor definierten Browsertyp an und sorgt dafür, dass die Basisinformationen und -funktionen auch mit älteren Systemen lesbar sind. Dabei kommt es optisch zwangsläufig zu Einbußen.

Progessive Enhancement setzt bei einer minimalen Version an, welche die User Experience global befriedigt. Je nach Technologielevel des Ausgabegeräts können weitere Funktionen hinzukommen.

Nutzen für Usability

Durch das Prinzip der Graceful Degradation stellen Webmaster sicher, dass alle Informationen auf ihrer Website mit allen möglichen Browsern dargestellt werden können. In der Praxis bedeutet dies, dass der User eine positive Nutzererfahrung machen wird. Da Google und andere Suchmaschinen auch das Verhalten der Nutzer auf der Website auswerten, spielt die Graceful Degradation auch für die Suchmaschinenoptimierung eine wichtige Rolle. Denn je besser die Usability einer Website, desto länger verweilen die User darauf und desto bessere Signale werden an Suchmaschinen gesendet.

Einzelnachweise

  1. What is Graceful Degradation and Why Should Web Designers Care? webdesign.about.com Abgerufen am 31.01.2015

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