Lesbarkeit

Der Parameter Lesbarkeit (Readability) bezieht sich im Internet darauf, wie verständlich ein Text geschrieben ist. Dabei ist die Lesbarkeit klar von der Leserlichkeit abzugrenzen, die umgekehrt aber zu guter Lesbarkeit beiträgt. Für Textinhalte im Internet gilt: Je einfacher ein Text verfasst ist, desto besser. Um die Lesbarkeit zu bestimmen, kommt bei vielen SEO-Tools und CMS ein automatisierter Lesbarkeitstest, der Flesch Reading Index, zum Einsatz. Eine gute Lesbarkeit kann das Ranking einer Website positiv beeinflussen.

Lesbarkeit und SEO

Für die Suchmaschinenoptimierung ist Lesbarkeit ein wichtiger Faktor. Sie spielt sowohl für die Verweildauer, als auch für die Keyword-Analyse der Algorithmen eine Rolle.

Verweilen User lange Zeit auf einer Website kann das zunächst einmal zweierlei bedeuten: Entweder sie haben ein Content Piece intensiv gelesen oder die Lesbarkeit ist so schlecht, dass sie lange brauchen, um einen Text zu Ende zu lesen. Weil ein Nutzer aber einen Text vorab schon scannt, also querliest, kann er den Schweregrad der Lesbarkeit sehr schnell, sehr gut abschätzen.

Scheint ihm der Inhalt beim ersten Scanvorgang bereits zu komplex, wird er abspringen. Darum bewerten Suchmaschinenalgorithmen eine lange Verweildauer so, dass ein Text inhaltlich wichtige Informationen bereitgestellt hat, also relevant war für den User, und dass der Content verständlich verfasst wurde. Je länger also die Verweildauer, desto besser die Lesbarkeit und umgekehrt.

Ein weiterer, wichtiger SEO-Aspekt ist der Einsatz von Keywords. Auch damit kann ein Webseitenbetreiber die Lesbarkeit eines Artikels maßgeblich beeinflussen. Ist die Keyworddichte zu hoch, büßt der Content an Lesbarkeit ein. Ein hohes Maß an Lesbarkeit sorgt demnach auch für Benutzerfreundlichkeit. Wird ein Leser mit einem übermäßigen Gebrauch an Keywords konfrontiert, wird er den Inhalt sehr wahrscheinlich als irrelevant und unnatürlich formuliert einstufen. Die Folge ist sein Absprung.

Darüber hinaus kann so ein Keywordstuffing für Suchmaschinen ein Grund sein, Webseiten im Ranking herabzustufen. Der Algorithmus geht dann davon aus, dass der Inhalt überoptimiert wurde und ausschließlich mit dem Ziel verfasst, in den SERPs besser platziert zu werden. Die Folge kann eine Over Optimization Penalty sein, bei der Webseiten im schlimmsten Fall sogar aus dem Index genommen werden.

Bestimmung der Lesbarkeit

Die Readability wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt, die sich grob in formale Aspekte und sprachliche Aspekte einteilen lassen.

Für die Berechnung der Lesbarkeit liegt eine mathematische Formel zugrunde, die aber ausschließlich sprachliche Faktoren berücksichtigt. Die Leserlichkeit wird dabei ausgeklammert. Dabei bestimmt die formale Gestaltung, Schriftsatz genannt, eines Textes die Lesegeschwindigkeit in nicht unerheblichem Maße mit. So bewerten Google und andere Suchmaschinen die Readability durchaus auch anhand gestalterischer Faktoren. Im Zuge einer Suchmaschinenoptimierung sollte das Schriftbild darum immer berücksichtigt werden.

Formale Faktoren

Die formalen Faktoren der Lesbarkeit umfassen vor allem typografische Parameter. Diese Einstellungen haben maßgeblich Einfluss auf die Leserlichkeit:

  • Absätze: Kurze Absätze wirken sich positiv auf die Lesbarkeit von Texten im Internet aus. Sie sind schneller zu erfassen und begünstigen den Scanprozess des Lesers. Als Faustregel haben sich Absätze mit 3 bis 5 Sätzen eingebürgert. Dabei sollte die Enter-Taste nicht wahllos gedrückt werden, sondern nur an Stellen, an denen es inhaltlich sinnvoll ist. Der Lesefluss sollte immer gewahrt bleiben. Durch zu viele Absätze wirken Texte sonst schnell auch zerpflückt.
  • Formatierung: Formatierungen wie Kursivschrift und Unterstreichungen sollten im Internet zurückhaltend und in Abhängigkeit von der gewählten Schriftart eingesetzt werden. Bei geschwungenen Schriftarten mit Serifen kann Kursivschrift die Lesbarkeit erschweren. Außerdem könnte der Google-Algorithmus Worte und Phrasen, die durch Formatierungen hervorgehoben sind, als besonders wichtig einstufen. Daher sollten, wenn überhaupt, besser Keywords und Keyphrases durch Fettformatierung betont werden. Unterstrichene Passagen stören den Lesefluss ebenso und einzelne Wörter mit Unterstreichung könnten vom User als Links interpretiert werden.
  • Schriftart: Bei der Wahl der Schriftart für einen Blog oder eine Website sollte das Hauptaugenmerk darauf gelegt werden, dass sie gut lesbar sind. Verspielte Schriftarten, Schnörkel, enge Zeichenabstände und Schreibschriften stören die Readability — und wirken auch nicht gerade seriös. Ideal für das Lesen im Web sind serifenlose Schriftarten. Doch auch bei sans-serif-Schriften können Buchstabenabstand und Zeichendicke auf die Lesbarkeit einwirken.
  • Schriftfarbe: Weiße Schrift auf weißem Grund galt eine Zeit lang als Möglichkeit, mehr Keywords im Content zu platzieren, ohne für den User aufdringlich zu werden.[1] Doch Google straft dieses Hidden Text genannte Vorgehen längst ab und bevorzugt allgemein Texte, bei denen die Schrift sich gut sichtbar von der Hintergrundfarbe abhebt. Je stärker der Kontrast zwischen Seitenbackground und Schriftfarbe, desto besser. Nicht nur für Google, auch für die Readability und damit für den Leser.
  • Schriftgröße: Besonders für mobile und responsive Webseiten ist die Schriftgröße eine wichtige Stellschraube. Es empfiehlt sich zugunsten der Lesbarkeit mit relativen Maßeinheiten zu arbeiten. Die passen die Schriftgröße dynamisch an die Einstellungen und Browserarten oder Zugriffsgeräte an. Andernfalls sollte für eine gute Leserlichkeit eine angenehme Schriftgröße gewählt werden. Die optimale Größe ist abhängig von der Schriftart, da die Buchstabenhöhe und -breite je nach Font-Type variiert.
  • Textausrichtung: Anders als bei Druckerzeugnissen, eignet sich der Blocksatz im Internet nicht, um die Lesbarkeit zu verbessern. Die Abstände zwischen den Worten werden bei dieser Ausrichtung verändert und bleiben nicht einheitlich weit, was Leser irritieren könnte. Er sollte darum nur sparsam angewandt werden, etwa für Zitate. Besser ist ein linksbündiger Flattersatz. Dieser erlaubt mehr Weißraum, was die Übersichtlichkeit verbessert.
  • Zeichenabstand: Eine enge Zeichensetzung verschlechtert die Readability. Bei den meisten Schriftarten ist der Abstand zwischen den Buchstaben vorgegeben. Manche lassen aber auch eine Individualisierung im CSS Stylesheet zu. Dieser Faktor sollte bei der Wahl der Schriftart berücksichtigt werden.
  • Zeilenabstand: Zusätzlich zu Absätzen entzerrt auch der Zeilenabstand Texte und macht sie somit leserlicher. Je nach Schriftart und -größe kann ein Zeilenabstand vom Wert 1 zu wenig sein. Bessere Ergebnisse liefert ein Mindestabstand von 1,5 zwischen den Zeilen. Auch diese Einstellung kann, bei Bedarf, im CSS hinterlegt werden.

Sprachliche Aspekte

Der Faktor Sprache und Sprachgebrauch bildet die Basis für die Messung der Lesbarkeit mittels dem Lesbarkeitsindex, für den vor allem Satzlänge und Silbenanzahl eine Rolle spielen. Doch besonders für Suchmaschinenalgorithmen, die der Nutzerfreundlichkeit immer mehr Wert beimessen, sowie SEO sind auch andere Aspekte wichtig:

  • Grammatik: Inwiefern korrekte Syntax (Grammatik) ein Rankingfaktor ist, ist unklar. Bei Bing machen grammatische Fehler einen Unterschied.[2] Google sagt, wenn überhaupt, beeinflusst die Grammatik das Ranking mittelbar, weil die Lesbarkeit darunter leiden kann und User die Website als nicht vertrauenswürdig einstufen.[3] Gerade bei Deklinationen und Flexionen von Keywords werden darum Grammatikregeln vernachlässigt. Doch die Algorithmen von Suchmaschinen sind mittlerweile sehr wohl in der Lage, auch gebeugte Keyword-Varianten zu erkennen und richtig zuzuordnen.[4] Es besteht also kein Bedarf mehr, grammatikalisch unkorrekte Sätze zu formulieren, um SEO-Richtlinien gerecht zu werden.
  • Rechtschreibung: Für zu viele Rechtschreibfehler gilt das gleiche wie für schlechte Grammatik. Wird auf korrekte Schreibweise, auch von Keywords, zugunsten der vermeintlich besseren Auffindbarkeit durch den Crawler verzichtet, kann das zulasten der Lesbarkeit und damit der Nutzerfreundlichkeit gehen. Die Folge sind enttäuschte Leser und hohe Absprungraten, die ein schlechteres Ranking begünstigen können. Korrekte Orthografie (Rechtschreibung) ist ein Qualitätsmerkmal — für die Lesbarkeit und die Suchmaschine.
  • Satzbau: Der Satzbau ist ein einer der Parameter für die Berechnung des Lesbarkeitsindex. Schachtelsätze, lange Sätze, die über mehrere Zeilen reichen, und komplizierte Satzstellungen sind für User schwer zu lesen. Entsprechend werten sie die Lesbarkeit eines Content Pieces ab.
  • Vokabular: Ein gehobener Wortschatz spricht eine ganz bestimmte Zielgruppe an. Für durchschnittliche Blogs oder Webseiten ist Fachjargon oder ein mit Fremdwörtern gespickter Text aber ein Faktor, der die Lesbarkeit verringern kann. Je zugänglicher ein Text über die Wortwahl ist, als desto besser lesbar gilt er.

Der Lesbarkeitsindex

Die Readability von Textcontent im Internet kann durch unterschiedliche Indizes errechnet werden. Zur Messung von Lesbarkeit wurden über 100 Formeln entwickelt. In den meisten SEO-Plugins und CMS hat sich der Flesch Reading Index als Standard durchgesetzt.

Dieser ermittelt die Lesbarkeit deutscher Webtexte durch diese mathematische Formel:

FRE = 180 - ASL - (58,5 x ASW)

Der FRE, kurz für: Flesch Reading Ease, wird als numerisches Ergebnis zwischen 0 und 100 ausgegeben und besagt, wie gut lesbar ein Text ist. Je geringer der Wert, desto schlechter die Lesbarkeit. Je höher das Ergebnis, desto besser.

Der Flesch-Grad, benannt nach dem Entwickler des Verfahrens, Autor Rudolf Flesch, errechnet sich anhand der durchschnittlichen Satzlänge (Average Sentence Length, kurz: ASL) und der durchschnittlichen Silbenanzahl pro Wort (Average Number of Syllables per Word, kurz: ASW).

Die ASL wird ermittelt, indem die Gesamtzahl der Wörter eines Textes durch die Anzahl der Sätze dividiert wird. Die ASW, indem die Anzahl der Silben im kompletten Artikel durch die Wortmenge geteilt wird.

Das Ergebnis, der Flesch-Reading-Score, wird in unterschiedliche Lesbarkeitsstufen eingeteilt, die von sehr schwer bis sehr leicht reichen:

  • FRE 0 - 30 gilt als sehr schwer lesbar und entspricht etwa dem Textverständnis von Akademikern.
  • FRE 30 - 50 weist einen immer noch schwer lesbaren Text aus.
  • FRE 50 - 60 stuft ein Content Piece mit mittelschwerer Lesbarkeit aus.
  • FRE 60 - 70 liegt genau im Mittel und kann auch von 13- bis 15-jährigen Schülern verstanden werden.
  • FRE 70 - 80 zeichnet Content mit mittelleichter Lesbarkeit aus.
  • FRE 80 - 90 bedeutet, dass ein Text leicht verständlich ist.
  • FRE 90 - 100 steht für sehr leicht lesbare Beiträge, wie sie auch schon 11-Jährige verstehen sollten.


Gut verständliche Webtexte sollten einen Wert von 60 - 70 im Flesch Reading Test erreichen.

Der ursprüngliche Flesch Reading Index wurde für die englische Sprache entwickelt. Weil die Wortlänge und Silbenanzahl pro Wort in dieser Formel aber die Schlüsselfaktoren zur Berechnung der Lesbarkeit sind, mussten die Parameter angepasst werden. Deutsche Wörter sind im Schnitt länger als englische. Auch zusammengesetzte Wörter würden das Ergebnis der englischen Formel verfälschen. Der deutsche Flesch Reading Index wurde 1978 von Toni Amstad angepasst.

Weitere Lesbarkeitsindizes

Neben dem bekannten Flesch Reading Index gibt es noch weitere Möglichkeiten zur Messung der Lesbarkeit bei Texten. Indizes wie der Flesch-Kincaid-Grade-Level und der Gunning-Fog-Index sind für die Berechnung der Readability deutscher Inhalte aber nur begrenzt anwendbar. Beide sind auf den anglophonen Sprachgebrauch ausgelegt und berücksichtigen deutsche Sprachphänomene nicht. Die im Deutschen typischen langen Worte würden bei der Berechnung mit diesen Indizes deutschen Texten immer eine schlechte Lesbarkeit bescheinigen.

Außerdem geben sowohl der Gunning-Fog-Index, als auch der Flesch-Kincaid-Grade-Level ihre Ergebnisse in Schuljahren aus. Sie messen also, wie lange ein Leser mindestens die Schule besucht haben muss, um einen Text zu verstehen. Dabei orientieren sich beide Formeln am US-amerikanischen Schulsystem, das vom deutschen sehr stark abweicht.

Ähnlich arbeiten auch der Automated Readability Index (ARI), die Dale-Chall Readability Formula, der SMOG Index, die Fry Readability Formula und der Coleman-Liau Index. Sie orientieren sich allesamt am Schul- und Sprachsystem der USA und bilden darum für die Lesbarkeit deutscher Texte keinen Maßstab.

Eine weitere Möglichkeit, um die Lesbarkeit deutscher Texte zu berechnen, stellt die Wiener Sachtextformel dar. Auch diese orientiert sich an den Schuljahren oder Schulklassen, die ein Leser absolviert haben muss, um einen Text zu verstehen. Dabei setzt die Skala beim Wert 4 an, was der vierten Grundschulklasse entspricht. Da sie beim Wert 15 als besonders schwer endet, sollten Werte ab 12 besser als Schwierigkeitsgrade oder als Studienjahre interpretiert werden. Dabei ist zu beachten, dass die Wiener Formel sich ausdrücklich auf Sachtexte bezieht. Dieser Umstand macht sie nicht auf zwingend alle Texte im Internet gleich gut anwendbar.

Kritik an der Messung von Lesbarkeit

Besonders an der automatisierten Berechnung des Schwierigkeitsgrades eines Textes wird immer wieder auch Kritik laut. Etwa, weil viele Flesch-Reading-Tools sprachliche und stilistische Mittel nicht berücksichtigen. Werden mehrere aufeinanderfolgende Sätze mit dem gleichen Wort begonnen, wertet der Flesch Reading Index die Lesbarkeit des gesamten Textes ab. Unabhängig davon, ob es sich vielleicht um eine Aufzählung oder gar ein bewusst gewähltes Stilmittel handelt.

Auch die Tokenisierung von Texten ist eine oft genannte Schwachstelle von Flesch-Reading-Tools. Damit ist das korrekte Erkennen und Auftrennen in einzelne Wörter gemeint. Eigennamen, Währungskürzel und Lexeme zum Beispiel, die aus mehreren Worten bestehen und eine von grammatikalischer und morphologischer Form unabhängige Bedeutungseinheit bilden, werden bei der automatisierten Berechnung der Lesbarkeit oft nur unzureichend berücksichtigt.

Des weiteren wird bemängelt, dass Computer gestützte Readability-Berechnungen die Silbenanzahl einzelner Wörter teilweise nur näherungsweise ermitteln können. Diese kann durch Tipp- oder Rechtschreibfehler zusätzlich verzerrt werden.

Plugins und ähnliche Tools können zwar die Verbesserung der Lesbarkeit von Texten im Internet unterstützen. Ihre stellenweise Unausgereiftheit sollte dabei aber nicht außer Acht bleiben.

Einzelnachweise

  1. Verbotene SEO Techniken, die Google abstraft jacor.de. Abgerufen am 09. Mai 2019.
  2. Quality: Do You Have It, or Just Think You Have It? blogs.bing.com. Abgerufen am 09. Mai 2017.
  3. English Google Webmaster Central office-hours hangout youtube.com. Abgerufen am 09. Mai 2019.
  4. Keyword-Optionen support.google.com. Abgerufen am 09. Mai 2019.

Weblinks