Usability Labor

Ein Usability Labor ist eine Räumlichkeit, mit deren Hilfe die Usability von Websites überprüft werden kann.

Aufbau eines Usability Labors[Bearbeiten]

Ein Usability Labor besteht aus zwei Räumen, wobei ein Raum für die Tests herangezogen wird und der andere als Beobachtungsraum für die Veranstalter dient. Die zwei Räume sind teilweise mit Einwegspiegeln voneinander getrennt, sodass die Beobachtung des Versuchsaufbaus möglich ist, ohne dass der Proband etwas davon bemerkt. Sollen keine Einwegspiegel eingesetzt werden, kann der Proband während des Tests auch mit einer Kamera gefilmt werden. Das Bild wird dann in Echtzeit in den Beobachtungsraum übertragen.

Das Usability Labor wird mit modernster Technik ausgestattet. Hierzu gehören unter anderem:

  • Test-Rechner mit ausreichender Leistung, Bildschirm und Peripheriegeräten
  • Webcam
  • Rechner für den Beobachtungsraum
  • Leinwand und Beamer (für die Übertragung des Kamerabilds)
  • Eye Tracking-Software

Einen Einblick in ein Usability Labor zeigt dieses Video der Hochschule für Angewandte Psychologie.

Einrichtung[Bearbeiten]

Die Einrichtung eines Usability Labors ist sehr teuer. Mit Kosten von rund 43.000 Euro müssen Unternehmer rechnen.[1] Besonders stark zu Buche schlagen hier die Technik für die Übertragung von Video- und Audiodaten sowie die Softwareprodukte für das Eye Tracking.

Durchführung[Bearbeiten]

Für ein Usability Labor sind Probanden erforderlich, die an den Tests teilnehmen. Aus Kostengründen werden die meisten Usability-Tests mit bis zu zwölf Personen durchgeführt. Großangelegte Studien mit vielen Teilnehmern können hohe fünfstellige bis sechsstellige Beträge kosten. Die Probanden werden in den Testraum begleitet und erhalten eine Aufgabenstellung, z. B. die Ausführung einer Bestellung in einem zu testenden Onlineshop.

Für sogenannte „Thinking Aloud Tests“ werden die Probanden dazu angehalten, währenddessen Selbstgespräche zu führen, um herauszufinden, was den User bei der Nutzung der Website bewegt und welche Erfahrungen er macht. Dabei wird er durch einen Usability-Spezialisten direkt im Raum beobachtet, der bei Bedarf eine direkte Rückkopplung zu negativen Ereignissen ermöglicht. Anhand der aufgenommenen Videos können die einzelnen Situationen später noch einmal in Ruhe analysiert und mögliche Verbesserungspunkte abgeleitet werden. Wie der User die Website wahrnimmt und wie er sie bedient, kann mithilfe von Eye Tracking ermittelt werden. Diese Software nimmt eine Blickverlaufsmessung vor und stellt so fest, welche Elemente der Website der User in welcher Reihenfolge wahrnimmt.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Ein Usability Labor bringt den Vorteil, dass die aufgezeichneten Blickverläufe detailliertere Analysen über die Usability einer Website ermöglichen, als dies bei anderen Usability Tests möglich ist (z. B. Mouse Tracking). Zudem können im Labor auch bereits Websites getestet werden, die sich noch in der Entwicklungsphase befinden. Andere Usability Tests können nur am fertigen Objekt durchgeführt werden.

Nachteilig sind insbesondere die enorm hohen Kosten. Wer nicht über die entsprechende Kapitalbasis verfügt, kann jedoch ein Usability Labor für einen begrenzten Zeitraum mieten. Problematisch ist außerdem, dass sich die Probanden nicht in ihrer üblichen Umgebung befinden. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie unbewusst ein Verhalten an den Tag legen, von dem sie vermuten, dass es von ihnen erwartet wird (Hawthorne-Effekt). Dadurch können die Testergebnisse verfälscht werden. Auch die störungsfreie Testumgebung kann das Ergebnis des Usability Tests verändern. Zuhause arbeiten die User oft mit veralteten Rechnern und werden regelmäßig durch Telefonate oder Familienmitglieder gestört. Im Usability Labor ist dies nicht der Fall.

Bedeutung für das Online Marketing[Bearbeiten]

Trotz der Ungenauigkeiten durch die unnatürliche Umgebung ist das Usability Labor ein wichtiger Bestandteil der Usability-Optimierung für Websites und Onlineshops. Immer mehr große Unternehmen investieren sogar in eine eigene Technik. Zwar greifen viele Betreiber auch auf kostengünstigere Lösungen wie das Mouse Tracking zurück, doch haben Usability Labors nach wie vor eine wichtige Bedeutung. Es fördert beispielsweise folgende Informationen zu Tage, die Ansatzpunkte für die Usability-Optimierung liefern:

  • korrekte Beschriftung der Schaltflächen und Links
  • intuitive Bedienbarkeit der Navigation
  • Dauer bis zum Auffinden der benötigten Information
  • Übersichtlichkeit und Informationsgehalt der Startseite
  • optischer Eindruck
  • Lesbarkeit der Inhalte
  • Überflutung des Lesers mit Informationen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Usability-Labor: Was braucht es, um gute Usability-Tests durchzuführen? – Teil 1: Equipment. Usabilityblog.de. Abgerufen am 21.06.2014.

Weblinks[Bearbeiten]