WikiLeaks

WikiLeaks ist eine Internetplattform, auf der Informationen und Dokumente öffentlich zugänglich gemacht werden, die als Verschlusssache klassifiziert sind und der Geheimhaltung unterliegen. Das Enthüllungsportal wurde 2006 mit dem Ziel ins Leben gerufen, für die Öffentlichkeit interessante Verschlussakten publik zu machen. Die Betreiber verstehen WikiLeaks als Mittel gegen Korruption und Zensur.

Hintergrund von WikiLeaks[Bearbeiten]

Dem Selbstverständnis der Gründer zufolge ist WikiLeaks ein Beitrag zur Informationsfreiheit und -transparenz. Passend dazu wurde die Plattform ursprünglich als Projekt eines Zusammenschlusses von Oppositionellen aus verschiedenen Ländern dargestellt. Erst später wurde bekannt, dass dahinter eine kleine Gruppe politisch motivierter Aktivisten um den Australier Julian Assange stand.

Der Name WikiLeaks erinnert nicht zufällig an die Online-Enzyklopädie Wikipedia, steht aber anderweitig damit in keinerlei Zusammenhang. Der Begriff setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen.

Wiki bezieht sich darauf, dass die Plattform zunächst noch über eine Wiki-ähnliche Funktion verfügte. Damit konnten hochgeladene Dokumente bearbeitet werden. Diese Funktion wurde später eingestellt. Der Begriff Leaks stammt aus dem Englischen und bedeutet Leck. Hiermit wird Bezug auf „undichte Stellen“ in Unternehmen und Regierungsorganisationen genommen, die auf WikiLeaks geheime Daten bereitstellen.

Wie WikiLeaks funktioniert[Bearbeiten]

Über die Technologie, die bei WikiLeaks zum Einsatz kommt, halten sich die Betreiber weitgehend bedeckt. Sie argumentieren damit, dass dies die Sicherheit der Whistleblower und Mitwirkenden gewährleisten soll. Bekannt ist aber, dass WikiLeaks unterschiedliche Verschlüsselungen, Software und Server-Standorte verwendet.

Als gesichert gilt, dass WikiLeaks mit den Netzwerken Tor und Psiphon arbeitet.[1] Bei diesen wird die Datenspur der Anwender über Onion-Routing verwischt. Dabei wechselt die Datenübertragung ständig zwischen verschlüsselten Proxy-Server hin und her. So sehen Daten an jedem Knotenpunkt anders aus und können nicht ausgelesen oder verfolgt und erst am Ankunftspunkt entschlüsselt werden.

Bei Tor handelt es sich um eine sogenannte Open-Source. Ebenso wie bei OpenSSL, Freenet, I2P und PGP, mit denen WikiLeaks außerdem arbeiten soll. Über diese Verschlüsselungsprogramme und Netzwerke können Daten anonym und nicht nachvollziehbar auf die Plattform hochgeladen werden.

Laut den Betreibern hostet WikiLeaks seine Publikationen verteilt auf verschiedenen Servern an unterschiedlichen internationalen Standorten. Diese Server sollen keine Protokolle der Prozesse erstellen. So werden keine Logfile gespeichert, die Rückschlüsse auf den Informanten geben könnten. Einige dieser Server sollen nicht belegbaren Angaben zufolge unterirdisch in Atombunkern aus dem Kalten Krieg stehen.[2]

Seit der Veröffentlichung des Kriegstagebuches aus dem Irakkrieg ist außerdem bekannt, dass WikiLeaks auch Spiegelserver einsetzt. Dabei werden Daten und Informationen von einem zentralen Server heruntergeladen und auf anderen, eigenen Servern als Kopie hochgeladen. Bei diesem Prozess spricht man von einer Spiegelung. Dieses Verfahren lässt sich auch automatisieren, sodass die Daten auf den Spiegelservern zeitversetzt trotzdem aktuell gehalten werden können.

Zur Sicherheit ihrer Mitwirkenden leitet WikiLeaks seine Daten vorrangig über Länder, die Whistleblowern gesetzlich sehr gut schützen. Das gab der führende Kopf von WikiLeaks, Julian Assange, im Juli 2010 bekannt.

Deutschlandrelevante WikiLeaksenthüllungen[Bearbeiten]

In den ersten 10 Jahren seit ihrem Bestehen wurden auf WikiLeaks mehr als 10 Millionen Dokumente veröffentlicht.[3] Darunter Verschlussakten über Menschenrechtsverletzungen, Spionage-Aktivitäten und Kriegsverbrechen. WikiLeaks ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für Investigativjournalisten. Regelmäßig berufen sich Medien weltweit auf die Plattform als Quelle.

Bankdatenweitergabe der EU in die USA[Bearbeiten]

Ein geheimes Abkommen zwischen der EU und der USA sah vor, dass das amerikanische Finanzministerium Einblick in die Bankdaten europäischer Staatsbürger erhalten soll. Begründet wurde dieser Plan mit der Terrorabwehr. Kritik wurde nach Bekanntwerden dieser Übereinkunft an der Verletzung des Datenschutz laut.

Der Kundus-Feldjäger-Report[Bearbeiten]

Dabei handelte es sich um Dokumente, die einen Luftangriff der Bundeswehr offen legten, bei dem Zivilisten ums Leben kamen. Die geleakten Unterlagen widerlegten vorherige Äußerungen der Bundesregierung. In der Folge wurde im Parlament der Ruf nach einem Rücktritt des Ex-Verteidigungsministers laut.

NSA-Untersuchungsinterna[Bearbeiten]

Mehrfach wurden auf WikiLeaks Protokolle und Interna des Untersuchungsausschusses hochgeladen, der die Abhöraffäre deutscher Politiker durch den US-Geheimdienst aufarbeiten sollte.

Internationale WikiLeaks-Enthüllungen[Bearbeiten]

Auf internationaler Ebene haben Enthüllungen durch WikiLeaks besondere Aufmerksamkeit erfahren. Zu den bekanntesten zählen dabei

  • die Guantanamo-Bay-Handbücher, aus denen systematische Menschenrechtsverletzungen und Misshandlungen Gefangener hervorgingen,
  • der Minton-Report, der die Entsorgung toxischer Abfälle eines niederländischen Energiekonzerns an der Elfenbeinküste dokumentiert,
  • die Veröffentlichung über US-Luftangriffe in Bagdad, bei der im Juli 2007 mehrere Journalisten und Zivilisten getötet wurden,
  • das TPP-Dokument, das Einblicke in die als geheim eingestuften Unterlagen zur Transpazifischen Strategischen Wirtschaftlichen Partnerschaft gibt,
  • die E-Mail-Korrespondenz des Wahlkampfmanagers der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton im Rahmen der US-Wahlen im Jahr 2016.


Kritik an WikiLeaks[Bearbeiten]

Schon 2011 wurde WikiLeaks vom ausgeschiedenen Mitarbeiter Daniel Domscheit-Berg öffentlich kritisiert. In seinem Buch behauptet er, Julian Assange würde offen antisemitische Mitwirkende in seinem Netzwerk dulden. Doch seit der Veröffentlichung der Clinton-E-Mails sieht sich WikiLeaks zunehmend auch öffentlicher Kritik ausgesetzt. In der Konsequenz haben viele Hacker, Journalisten und Informanten sich von WikiLeaks abgewendet.[4]

Experten sprechen der Plattform bereits seit 2010 zunehmend die Glaubwürdigkeit ab. In diesem Jahr hatte WikiLeaks die Mediengruppe Sunshine Press gegründet, die seitdem auch offiziell als Betreiber des Portals fungiert. Diese bereitet geleakte Informationen für die Presse auf. Laut eigenen Angaben, um Quellen und Informanten noch besser schützen zu können. Kritiker betrachten dieses Vorgehen als Verschleierungstaktik. WikiLeaks habe damit an Glaubwürdigkeit und Transparenz eingebüßt.[5]

Immer wieder gab es auch Skandale um WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Dieser lebt seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London. Nach Vergewaltigungsvorwürfen aus Schweden bat er dort um politisches Asyl, um eine Auslieferung zu verhindern. Seit März 2018 hat Assange von der Botschaft aus keinen Zugriff mehr auf das Internet. Mehrmals soll er mit politischen Tweet gegen Verschwiegenheitsabsprachen verstoßen haben.[6]

Führende Figuren und Mitwirkende[Bearbeiten]

Über Informanten und Mitwirkende an WikiLeaks wird nur selten etwas bekannt. Nicht zuletzt werden Verschlüsselungsmechanismen und Onion-Routing genau zu diesem Zweck eingesetzt. Bekannt ist darum vor allem der (Mit-) Begründer Julian Assange. Auch die ehemaligen Mitwirkenden Daniel Domscheit-Berg, Herbert Snorrason und Kristinn Hrafnsson erlangten nach ihrem Ausscheiden Bekanntheit.

Die berühmtesten, internationalen WikiLeaks-Informanten dürften Dingen Edward Snowden und Chelsea Manning sein.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Is WikiLeaks accessible across the globe or do oppressive regimes in certain countries block the site? wikileaks.org. Abgerufen am 07.02.2019.
  2. Why Law is Powerless to Stop WikiLeaks from Publishing telegraph.co.uk. Abgerufen am 07.02.2019.
  3. Top-10 Wikileaks-Enthüllungen hpd.de. Abgerufen am 07.02.2019.
  4. Wikileaks verliert unter Hackern Sympathien deutschlandfunk.de. Abgerufen am 07.02.2019.
  5. WikiLeaks: Was wird aus Julian Assange zdf.de. Abgerufen am 07.02.2019.
  6. Ecuador sperrt Julian Assange den Internetzugang heise.de. Abgerufen am 07.02.2019.

Weblinks[Bearbeiten]