Mobile Payment

Mobile Payment ist ein Teilbereich des Mobile Commerce sowie des gesamten Handels und bezieht sich auf die bargeldlose Zahlungsabwicklung über ein mobiles Endgerät mit einer Internetverbindung. Aktuell (Stand 2014) wird Mobile Payment als sichere Zahlungsmethode der Zukunft gehandelt. Die Infrastruktur für die Bezahlung mit dem Smartphone wird noch geschaffen, indem weltweit verschiedene Konzepte getestet werden.

Hintergrund

Seit den 1990er-Jahren hat sich die Mobilfunknutzung weltweit kontinuierlich ausgebreitet. Wurde das Handy zunächst vorwiegend zum Telefonieren und Simsen verwendet, stieg die Funktionalität der neuen Smartphones rasant an, als der User mit diesen auch im Internet surfen konnte. Im Jahr 2013 wurden weltweit fast sieben Milliarden Handyanschlüsse gezählt.[1]

Dadurch das Smartphones und Handys schließlich zu täglichen Gebrauchsprodukten geworden sind, lag es nahe, diese Geräte zum Bezahlen zu nutzen. So fingen unterschiedliche Firmen weltweit an, unterschiedliche Konzepte und Methoden der mobilen Bezahlung zu entwickeln. Schon zu Beginn des Mobilfunkzeitalters gab es erste Schritte im Bereich des mobilen Bezahlverfahrens. So konnten Kunden Klingeltöne oder Handyspiele mit Ihrem Gerät direkt bei ihren Mobilfunkprovidern kaufen und den Einkauf über die monatliche Handyrechnung verbuchen lassen.

Erste Länder mit Mobile Payment

Wer aber nun erwartet, dass sich das mobile Payment in den westlichen Industriestaaten am stärksten entwickelte, liegt falsch. Denn es sind vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer, wo heute am meisten mit dem Handy oder Smartphone bezahlt wird. Ein berühmtes Beispiel ist das M-Pesa-System in Ostafrika, das heute von mehr als 20 Millionen Anwendern genutzt wird, um bargeldlos mit dem Handy an Tankstellen oder in Supermärkten einzukaufen.[2]

Mobile Payment in Deutschland

Die Nutzung von Mobile-Payment-Diensten steigt weltweit an.[3] In Deutschland gaben mehr als 40 Prozent der Befragten in einer Umfrage aus dem Jahr 2013 an, schon einmal Mobile Payment genutzt zu haben.[4]

Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl mobiler Geldtransaktionen rasant zunimmt. Für das Jahr 2015 wird mit einer Trillion Transaktionen via mobiler Endgeräte gerechnet.[5]

Typen und Funktionsweise

Mobile Payment bezeichnet in erster Linie den Bezahlvorgang mittels eines mobilen Endgerätes, das zugleich zur Autorisierung verwendet werden kann. Durch die große Diversität der Entwicklungen gibt es verschiedene Funktionsweisen im Mobile Payment.

  • Mobile Payment im Internet:
    Hierbei besucht der User einen Webshop und wickelt die Bezahlung herkömmlich über seine Kreditkarte oder einen Zahlungsanbieter ab. Für den Einkauf nutzt er aber ausschließlich sein Smartphone oder Tablet.
  • stationärer Handel:
    In den Industrieländern entwickeln einzelne Länder sowie Internetunternehmen wie Google, PayPal oder Apple eigene Mobile-Payment-Lösungen in Kooperationen mit Banken und Finanzdienstleistern. Ebenso wird an einem europäischen Standard für Mobile Payment „SEMOPS“ gearbeitet. Beim Bezahlen von Waren oder Dienstleistungen mit dem Smartphone kommen schließlich unterschiedliche Konzepte zum Einsatz. Während manche Systeme so funktionieren, dass der User zum Bezahlen einen QR-Code scannt und danach auf die Bezahlseite geleitet wird, arbeiten andere Systeme mit der NFC-Technik und PIN/TAN-Verfahren. Anbieter sind hier z.B. MPass, Veropay oder Yapital. Als Alternative kann der Funkstandard iBeacon von Apple genutzt werden.
  • Apps und Abos:
    Beim Kauf von Apps oder Abos von Infoseiten bzw. Online-Zeitungen können Smartphones den gesamten Bezahlprozess abbilden. Je nach Anbieter kann die Abrechnung auch über die monatliche Handyrechnung erfolgen.

Mobile Payment mit NFC

NFC ist ein Kürzel für Near Field Communication (deutsch: Nahfeldkommunikation), einem System, das zum Datenaustausch mobiler Endgeräte über sehr kurze Entfernungen verwendet wird, ohne aber physischen Kontakt zwischen den beteiligten Geräten herzustellen. NFC wird oft in den Bereichen Mobile Banking und Mobile Ticketing eingesetzt und ist teilweise als internationale ISO-Norm standardisiert.

Allgemeine Informationen

2002 wurde NFC ins Leben gerufen. NXP Semiconductors und Sony entwickelten gemeinsam ein Format, mit dem sich über sehr kurze Entfernungen schnell und einfach Daten übertragen ließen. Derzeit wird der NFC-Standard vom NFC-Forum vorangetrieben. Dort sind über 100 Mitgliedsfirmen organisiert, sie erarbeiten die grundlegende Architektur und die technischen Spezifikationen, um NFC als internationalen Standard zu etablieren. Auch wenn das derzeit noch nicht der Fall ist, wird NFC schon in vielen Ländern verwendet, um kleine Beträge zu bezahlen oder Tickets zu buchen.

Grundsätzlich sind auch Anwendungsszenarien wie der eletronische Personalausweis oder die elektronische Gesundheitskarte denkbar. Mit Google Wallet ist in den USA jüngst ein Format gestartet worden, das NFC-Technik beim Micropayment einsetzt. In Südkorea und Japan wird NFC schon in zahlreichen Mobiltelefonen erfolgreich verwendet.[6]

Funktionen

Das Prinzip hinter der NFC-Technik ist die Induktion: Zwei Induktionsquellen werden gekoppelt. Eine, der sogenannte Initiator, sendet ein magnetisches Feld in Hochfrequenz zur anderen Induktionsquelle, dem sogenannten Target. Die Datenrate liegt bei bis zu 424 kbit/s; die maximale Reichweite ist vom System abhängig, beträgt in der Regel aber nicht mehr als 20 cm. In der Praxis können sowohl Initiatoren als auch Targets eine Verbindung herstellen, was einen entscheidenden Vorteil gegenüber RFID-Systemen darstellt, die nur in eine Richtung Daten übertragen können, weil die Rollen des Senders und Empfängers festgelegt sind.

Gleichwohl ist NFC mit RFID kompatibel, da die Nahfeldkommunikation prinzipiell auf RFID-Systemen aufbaut. Die Austauschbarkeit von Sender und Empfänger macht NFC so interessant für die Datenübertragung über kurze Entfernungen – und ist dadurch weitestgehend geschützt vor einem Fremdzugriff. Anwendungsfelder von NFC sind aber nicht nur das Mobile Banking oder das Mobile Ticketing.

Auch der Zugang via Chipkarte zu einem Gebäude, Kundenkarten von Firmen und Dienstleistern oder das Abrufen von Produktinformationen sind möglich und werden teilweise schon eingesetzt. Bei modernen Smartphones ist die Technik bereits sehr oft integriert, der Einsatz bleibt allerdings weit zurück hinter Bluetooth-Geräten.

Vorteile von Mobile Payment

Das Bezahlen mit dem Smartphone hat viele Vorteile, die hier kurz skizziert werden:

  • die Methode ist hygienischer als Bargeld oder Karte
  • kein Gelegenheitsdiebstahl möglich
  • es gibt kein Falschgeld
  • sehr gute Eignung für blinde Menschen
  • benötigt keinen separaten Platz (Portemonnaie etc.)
  • bessere Überprüfbarkeit von Geldbewegungen

Nachteile von Mobile Payment

Während für die Befürworter die Vorteile des Mobile Payment klar überwiegen, gibt es jedoch auch Nachteile, die hier kurz aufgeführt werden:

  • keine anonyme Zahlungen möglich
  • höherer Zeitaufwand beim Bezahlen
  • niedrigere Hemmschwelle beim Bezahlen
  • Abfrage des Bestands nur über direkte Bankanbindung möglich
  • kompliziertere Rückabwicklung beim Umtausch oder Retoure
  • nur mit Strom realisierbar (z.B. auch ausreichende Akkuleistung)

Datenschutz

Viele User sind vor allem in Deutschland noch zögerlich, was das Bezahlen per Smartphone im stationären Handel angeht. Es ist hier besonders der Datenschutz, der in Frage gestellt wird.[7] Grundsätzlich sind die Bedenken erlaubt, denn die Zahlungsanbieter für Mobile Payment sammeln bei jeder Transaktion Daten, die je nach Auslegung der AGB für Werbezwecke oder Statistiken verwendet werden dürfen. User sollten sich vor der Anmeldung für einen der Dienste zuvor über die Datenschutzbestimmungen informieren.

Bedeutung für das Mobile Marketing

Die aktuellen Entwicklungen im Mobile Payment sind zu einem großen Teil auf die NFC-Technik zurückzuführen. Zwar sind Verbraucher in Europa noch skeptisch, aber langfristig stellt die Integration von NFC-Systemen eine innovative Lösung im Bereich Micropayment dar.[8] Unternehmen, die darauf setzen, bieten ihren Kunden eine einfache und bequeme Möglichkeit zur Bezahlung von kleinen Beträgen via Mobiltelefon. Dies kann einen Imagegewinn im Mobile Marketing bedeuten und ist nicht zuletzt ein Faktor, der zu einer hohen Usability beiträgt – auch wenn entsprechende Geräte erst mal vorhanden sein müssen und verschiedene Sicherheitsaspekte noch zu klären sind.[9]

Einzelnachweise

  1. Entwicklung der weltweiten Mobilfunkteilnehmer seit 1993 de.statista.de Abgerufen am 23.04.2014
  2. Mobile Payment – eine afrikanische Erfolgsgeschichte zdnet.de Abgerufen am 23.04.2014
  3. Mobile Payment t3n.de Abgerufen am 23.04.2014
  4. Nutzung von Mobile Payment Angeboten deutscher Verbraucher de.statista.com Abgerufen am 23.04.2014
  5. Mobile Payment 2015 gruenderszene.de Abgerufen am 23.04.2014
  6. Near Field Communication (NFC) gi.de. Abgerufen am 05.05.2014.
  7. Mobile Payment und Datenschutz t3n.de Abgerufen am 23.04.2014
  8. Near Field Communication (NFC) gi.de. Abgerufen am 05.05.2014
  9. NFC - Near Field Communication elektronik-kompendium.de. Abgerufen am 05.05.2014

Weblinks

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