Second Screen


Die Bezeichnung Second Screen steht für einen zweiten Bildschirm, der parallel genutzt wird. Nutzer konsumieren eine Fernsehsendung, eine Serie oder einen Film und suchen gleichzeitig auf einem zweiten Bildschirm nach entsprechenden Informationen zu diesen Medieninhalten. Häufig werden im Rahmen von Second Screens spezielle Apps, Widgets und Online-Services angeboten, um das Fernsehprogramm interaktiver zu gestalten und die Verknüpfung von Programm und Nutzern zu erleichtern. Weitere Bezeichnungen sind Multi-Screen, Second Screen TV oder Parallelnutzung.

Allgemeine Informationen zum Thema[Bearbeiten]

Der Begriff Second Screen bezeichnet ein Phänomen, das seit einigen Jahren beobachtet wird: Konsumenten von Fernsehsendungen, Filmen und Serien sehen nicht nur Fern, sondern informieren sich oft auch mithilfe eines zweiten Bildschirms (Smartphones, Tablets und Laptops) über das aktuelle Fernsehprogramm. Sie geben beispielsweise die Namen der Protagonisten in die Suchmaske von Google ein oder greifen auf die Wikipedia-Artikel der Filme und Serien zu. Sie interagieren in sozialen Netzwerken und kommentieren das aktuelle Geschehen im Fernsehen. Auf Twitter und Facebook erfolgt dies oft in Form von Microblogposts und Statusupdates, die mit Hashtags mit dem jeweiligen Medium verknüpft werden. Mittlerweile gibt es spezielle Apps, soziale Plattformen und Websites, die sich ausschließlich mit dem Thema Second Screen auseinandersetzen.

Mehrere Untersuchungen deuten daraufhin, dass sich die Mediennutzung durch mobile Endgeräte stark verändert hat – nicht nur mit Bezug zum Fernsehen. In den Altersgruppen zwischen 14 und 29 Jahren nutzen etwa 81% ein Smartphone, um auf Websites, Emails oder soziale Netzwerke zuzugreifen. Bei den 30 bis 49-jährigen sind es 74%, die einen Laptop verwenden, um das Internet zu erreichen. Zudem ist die Parellelnutzung zweier Bildschirme gestiegen. Dies geht aus der ARD/ZDF-Onlinestudie 2014 hervor.[1]

In den USA ist das Phänomen des Second Screens noch stärker verbreitet. Hier wird der Bezug zum Fernsehen deutlicher: Der Begriff Twitter TV beschreibt ein Phänomen, bei dem Twitter Nutzer fernsehen und Tweets zu dem aktuellen Programm versenden.[2] 990 Millionen Tweets mit direktem Bezug zum Fernsehprogramm wurden alleine im Jahr 2013 versendet. Auf diese Weise entsteht ein Diskussionsraum, der neue Interaktionsmuster erzeugt und mittlerweile von Vermarktern, Publishern und Medienproduzenten genutzt wird.

Arten[Bearbeiten]

  • Viele Medienproduzenten bieten ihren Kunden spezielle Apps an, mit denen die Nutzer Medienangebote auf einem zweiten Bildschirm konsumieren können.
  • Services wie Zeebox, Miso, GetGlue oder Umami bieten integrative Lösungen für Second Screen Modelle an. Sie vereinen das Konsumieren von Medieninhalten mit dem Engagement der Nutzer. Auf diesen Plattformen können sich Nutzer in eine Diskussion zu einer bestimmten Fernsehsendung einloggen. Experten beschreiben dies als die sogenannte Second Screen Experience.[3]

Beispiele[Bearbeiten]

  • Nutzer kommentieren das Geschehen im Tatort am Sonntagabend und zeichnen ihre Posts mit dem Hashtag #tatort aus.
  • Nutzer suchen nach der nächsten Frage von „Wer wird Millionär?“ bei Wikipedia oder posten die Antwort in ihrem sozialen Profil bei Facebook.

Bedeutung für das Mobile Marketing[Bearbeiten]

Allgemein ist davon auszugehen, dass Second Screen Technologien einen positiven Beitrag zum Marketing-Mix darstellen und die Attraktivität des TV-Programms erhöhen können. Es ist zwar unbestritten, dass die Nutzung mobiler Endgeräte weiterhin ansteigt. Jedoch lassen aktuelle Entwicklungen in Deutschland nicht den Schluss zu, dass Second Screen Angebote einen notwendigen Bestandteil von Fernsehprogrammen darstellen. Zumal kaum ein Nutzer je eine App für seine Lieblingsserien oder Filme installieren würde.

Tweets und Statusupdates werden von Nutzern ohnehin veröffentlicht, auch wenn es keine spezielle App gibt, um Konsumenten und Fernsehserie direkt miteinander zu verbinden. Das bedeutet jedoch nicht, dass Medienproduzenten ihren Konsumenten die Mediennutzung mit unterschiedlichen Endgeräten nicht ermöglichen sollten. Im Gegenteil: Die Erreichbarkeit bestimmter Medien sollte mit möglichst vielen Endgeräten möglich sein. Ob damit eine soziale Plattform zur Interaktion einhergeht, ist eine andere Frage. Plattformen wie Zeebox oder GetGlue versuchen gerade dieses Problem zu lösen, indem sie ein zentrales Netzwerk für viele verschiedene Fernsehsendungen mitsamt sozialen Diskussionen anbieten.

Interessant für Marketer ist ein Aspekt, der mit der veränderten Mediennutzung zusammenhängt: Durch die Nutzung eines zweiten Bildschirms ist eine weitere Werbefläche verfügbar. Das sogenannte Second Screen Advertising zeichnet sich durch einen direkten Bezug zu den Aktivitäten und Interessen des Nutzers aus. Dies verspricht eine möglichst hohe Relevanz bei der Auslieferung von mobilen Werbeanzeigen auf Smartphones und Tablets.[4] Doch auch hier gibt es noch Ungereimtheiten: Denn das Phänomen Second Screen ist aus Langeweile der Nutzer geboren. Auf dem ersten Bildschirm sehen sie Werbung; auf dem zweiten Bildschirm vertreiben sie sich die Zeit der Werbepause. Wird nun auf den zweiten Bildschirm auch noch Werbung angezeigt, kann dies schnell zu einer Banner Blindness führen.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Second Screen: Parallelnutzung von Fernsehen und Internet ard-zdf-onlinestudie.de. Abgerufen am 17.06.2015
  2. Who's Tweeting About TV? nielsen.com. Abgerufen am 17.06.2015
  3. TheSecond Screen Experience Defined edgeofdigitalculture.com. Abgerufen am 17.06.2015
  4. Second Screen Advertising investopedia.com. Abgerufen am 17.06.2015
  5. 5 Things Keeping Second Screen From the Masses possiblemobile.com. Abgerufen am 17.06.2015

Weblinks[Bearbeiten]