Dark Web

Das Dark Web ist ein Teil des World Wide Web, der mit herkömmlichen Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo nicht auffindbar ist und spezielle Technologien für den Zugang erfordert. Im Gegensatz zum Visible Web oder Surface Web ist das Dark Web nur mit speziellen Browsern wie dem Tor-Netzwerk und sogenannten .onion-Links erreichbar. Ähnlich wie Google und Co. stellen Hidden Wikis Links zu den eigentlichen Inhalten bereit, die mit dem Tor-Browser aufgerufen werden können.

Der Zugang zum Dark Web erfolgt durch diese Technologien verschlüsselt und anonymisiert. Häufig wird das Dark Web mit illegalen Inhalten und Geschäften in Verbindung gebracht. Aber nicht alle Websites und Marktplätze im Dark Web sind per se illegal – auch Whistleblower und Websites, die lediglich Quellen verlinken oder Foren betreiben sind dort aktiv. Der Begriff Dark Web ist vom Deep Web (auch Invisible Web) zu unterscheiden, da das Deep Web sehr wohl mit normalen Browsern erreichbar ist, aber nicht durch Suchmaschinen indexiert wird (zum Beispiel Foren oder Datenbanken).

Unterscheidung von Dark Web, Deep Web und Internet

Um die Begrifflichkeiten auseinander zu halten, werden die unterschiedlichen Arten des Webs anhand von Grundkategorien wie der Erreichbarkeit (engl. Accessibility) und der Indexierung (engl.: Indexing) unterschieden:[1]

  • Internet (auch Visible Web und Surface Web): Erreichbarkeit ist gegeben und es wird durch Suchmaschinen indexiert.
  • Deep Web: Diese Informationen sind ebenfalls erreichbar, können aber nicht indexiert werden.
  • Dark Web: Der Zugang zum Dark Web ist beschränkt und die Informationen können nicht indexiert werden.

Die Informationen, die in weltweiten Netzwerken von Nutzern und Suchmaschinen gefunden werden können, machen nur einen kleinen Teil dessen aus, was von Experten als das World Wide Web betrachtet wird. Schätzungen gehen davon aus, dass das durch Suchmaschinen oder URLs erreichbare Netz lediglich 1 bis 5 Prozent aller Informationen umfasst. Demzufolge wären das Deep Web und das Dark Web wesentlich größer als das Internet, das wir täglich verwenden.

Funktionsweise des Dark Web

Generell besteht das Dark Web aus Darknet-Websites, Marktplätzen, Services und Foren, deren Zugang nach dem Peer-to-Peer-Prinzip geregelt ist: Wer Zugang erhalten möchte, muss entweder einen Insider kennen oder spezielle Technologie verwenden können. Insbesondere die Nutzung der Technologie ist für normale Anwender mit Hürden verbunden, da diese sogenannten Overlay-Networks mit anspruchsvollen Verschlüsselungstechnologien und Anonymisierungsverfahren arbeiten.

Zwei Eigenschaften sind charakteristisch für das Dark Web. Zum einen das Onion Routing und zum anderen das Tor Netzwerk und ähnliche Netzwerke, die eine Implementierung des Zwiebelprinzips darstellen.

Onion Routing

Das Onion Routing ist eine Technik zur Anonymisierung, die im Dark Web zur Anwendung kommt. Fordert ein Nutzer eine Webseite an, werden die Inhalte über gesonderte und ständig wechselnde Routen an den Nutzer gesendet. Auf diesen Routen befinden sich sogenannte Mixe, die im Grunde die Stationen darstellen, die die Informationen durchlaufen. Inhalte werden also nicht von einem Sender zu einem Empfänger weitergeleitet, wie es bei der HTTP-Kommunikation der Fall ist, sondern über mehrere Sender und Empfänger, die wie Proxy-Server und virtuelle Netzwerke (VPN) arbeiten. Eine angeforderte Website wird gewissermaßen zerstückelt und beim Nutzer wieder zusammengesetzt.[2]

Durch diese Zwischenschritte wird je nach Richtung der Kommunikation entweder der Sender oder der Empfänger anonymisiert (oder beide Teilnehmer). Die Zwischenstationen verschlüsseln oder entschlüsseln eine Information. Sie werden auch als Knoten im Netzwerk bezeichnet. Da der Weg einer Informationen grafisch wie eine Zwiebel dargestellt werden, wird diese Ver- und Entschlüsselungsmethode als das Onion Routing bezeichnet. Um den Datenverkehr beim Onion Routing zu verfolgen, müssten dem Beobachter alle Knoten bekannt sein – diese Routen werden meist in regelmäßigen Zeitabständen geändert.

In der Regel führt das Onion Routing zu höheren Datenübertragungszeiten, da die Informationen erst zerstückelt und dann zusammengesetzt werden müssen. Zudem ist es aufgrund der oft illegalen Aktivitäten wahrscheinlich, dass bestimmte Bereiche des Dark Webs von Ermittlungsbehörden beobachtet und verfolgt werden, wenn dies technisch möglich ist.[3]

Tor Netzwerk

Das Tor Netzwerk basiert auf der Idee des Onion Routing und fügt einige technische Feinheiten hinzu. Um eine anonyme Verbindung zwischen zwei Kommunikationsteilnehmern zu erzeugen, muss einer der beiden zunächst einen Client herunterladen und installieren, der als Onion Proxy beschrieben wird. Der Onion Proxy ist ein Hilfsprogramm, das sich mit dem Tor Netzwerk verbindet. In einem ersten Schritt lädt der Client Verzeichnisdaten herunter, diedigital signiert sind. Die Verzeichnisse fungieren wie eine Autorität, die alle verfügbaren Tor Knoten im Netzwerk auflistet. Die Verzeichnisdaten sind asymmetrisch verschlüsselt, sodass der Client echte Daten bekommt.

In einem zweiten Schritt wählt der Onion Proxy eine Route durch das Tor Netzwerk. Die Knoten, die eine Information passieren soll, werden zufällig ausgewählt. Die Route wird nach etwa zehn Minuten geändert, sodass ein weiteres Element zur Verschleierung hinzukommt. Der Onion Proxy tauscht mit dem ersten Tor Server nun Daten über die Übertragung aus und baut eine verschlüsselte Verbindung auf. Steht diese Verbindung, kommt ein weiterer Tor Server dazu und es wird wieder eine verschlüsselte Verbindung erzeugt. Dieser Verbindungsaufbau erfolgt in der Regel bei bis zu drei Knoten, bis eine Information zwischen Client und Server im Netzwerk übermittelt wird.[4]

Rechtliche Dimensionen des Dark Web

Ein 'zufälliges Stolpern' über Darknet-Websites ist rechtlich unproblematisch. Sobald aber Inhalte angesehen werden, die unter kritische Rechtsbereiche fallen, ist Vorsicht angeraten. Auf Marktplätzen und in Foren wird mit Drogen, Waffen, kinderpornografischem Material, Datensätzen für Kreditkartenbetrug und vielen weiteren illegalen Produkten und Dienstleistungen gehandelt. Wenn eine Geschäftsbeziehung zu einem Anbieter im Dark Web aufgebaut wird, macht man sich strafbar. Anwälte empfehlen in solchen Fällen, eine Strafanzeige bei der Polizei zu stellen. Dies ist auch anonym möglich.[5]

Das Dark Web in der Öffentlichkeit

In Deutschland war die Existenz eines “Dark Web” vielen Menschen unbekannt, bis es zum tragischen Amoklauf des David S. in München im Sommer 2016 kam. Der Amokläufer hatte seine Waffe im Dark Net gekauft.[6] Das haben die Ermittler nach seiner Tat rekonstruiert. In der öffentlichen Diskussion um die Tat wurde das Thema “Dark Web” präsenter und bekannter.

Bedeutung für das Online Marketing

Das Dark Web bleibt aufgrund der verwendeten Technologien für Suchmaschinen wie Google oder Bing unzugänglich. Die dortigen Inhalte können nicht von ihnen indexiert werden und in den meisten Fällen ist dies auch nicht erwünscht, da sie gegen die Richtlinien der Suchmaschinenanbieter verstoßen.[7]

Für das Online Marketing gilt: Keine seriöse Website sollte sich in die Nähe von Darknet Websites begeben und diese über Onion-Links verlinken oder in irgendeiner Art darauf hinweisen. Ähnlich wie bei pornografischen Inhalten im herkömmlichen Internet ist zu befürchten, dass Suchmaschinen derartige Aktivitäten als Bad Neighbourhood ansehen und die verlinkende Website im Ranking herunterstufen.

Einzelnachweise

  1. The Internet, the Deep Web, and the Dark Web danielmiessler.com. Abgerufen am 06.10.2016
  2. Tor - The Onion Router elektronik-kompendium.de. Abgerufen am 06.10.2016
  3. Eine neue Studie zeigt die Gefahren des Deep Web wired.de. Abgerufen am 06.10.2016
  4. TOR The Onion Routing sar.informatik.hu-berlin.de. Abgerufen am 06.10.2016
  5. Wegweiser durch das Darknet chip.de. Abgerufen am 06.10.2016
  6. Amokschütze von München besorgte sich Waffe im Darknet sueddeutsche.de Abgerufen am 31.08.2017
  7. Was ist Dark Web seo-united.de. Abgerufen am 06.10.2016

Weblinks

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