Dynamic Serving

Mit dem Begriff Dynamic Serving (deutsch: dynamische Bereitstellung) wird eines von drei Paradigmen (die anderen sind: Responsive Design und separate URLs) bezeichnet, um Websites mobil zu optimieren – das heißt: Auf mobilen Endgeräten les- und nutzbar zu machen. Beim Dynamic Serving werden für verschiedene User Agents, wie beispielsweise Desktop-PCs oder mobile Endgeräte, unterschiedliche Quellcodevarianten (HTML und CSS) ausgeliefert.

Dabei kommt nur eine URL zum Einsatz, weil der Server auf Basis des Vary HTTP Headers entscheidet, welchen Quellcode er ausgibt, und dann die Ressource an das Endgerät weiterleitet. Der angeforderte Content wird also mithilfe des Vary-Headers an den User-Agent des jeweiligen Endgerätes angepasst.

Vary HTTP Header

Der Vary HTTP Header ist ein Bestandteil einer Antwort vom Server, wenn eine Website durch eine Klienten aufgerufen wird. Handelt es sich um einen User-Agent, der auf mobilen Geräten verwendet wird, bekommt der Klient genau den für Mobilgeräte optimierten Quellcode ausgeliefert.

GET /page-1 HTTP/1.1
Host: www.beispiel.de
(Restliche Bestandteile des Request-Headers)
HTTP/1.1 200 OK
Content-Type: text/html
Vary: User-Agent
Content-Length: 4505
(Restliche Bestandteile des Response-Headers)

Der Vary Header hat aber noch zwei weitere wichtige Funktionen:[1]

  • Zum einen regelt er die Verwendung des Server-Caches. Inhalte aus dem Zwischenspeicher für Desktop-PCs werden auf diese Weise nicht auf mobilen Endgeräten geladen, weil der Vary Header dem Server signalisiert, welcher User-Agent vom Server in Betracht gezogen werden soll. Das kann die Ladezeiten verringern und Bandbreite sparen.
  • Zum anderen hilft der Vary Header den Suchmaschinen dabei, Inhalte zu finden, die für Mobilgeräte optimiert wurden. Er ist also für die verschiedenen Crawler ein Signal für den richtigen User-Agent, sodass User-Agent und Crawler zusammenpassen.

User Agent Sniffing

Die dynamische Bereitstellung von Inhalten gilt gemeinhin als komplex und relativ fehleranfällig. In erster Linie geht es dabei um die Erkennung des richtigen User-Agents, was als User Agent Sniffing (deutsch: Schnüffeln) bezeichnet wird.[2]

  • Um einen User Agent zu erkennen, ist ein Vergleich zwischen einer Liste mit aktuellen User Agents (und den entsprechenden Zeichenfolgen) und den in dem Vary Header hinterlegten Daten notwendig. Diese Listen müssen stets aktuell sein. Sobald neue Geräte am Markt sind, müssen die entsprechenden User Agents in den Listen notiert werden. Wird dies nicht umgesetzt, kann die Nutzerfreundlichkeit erheblich eingeschränkt sein, weil die angefragten Inhalte nicht oder nicht richtig geladen werden können.
  • Bei dem Vergleich zwischen Vary Header und den Listen mit den User Agents passieren oft Fehler. Die User Agents werden falsch zugeordnet, weil in den Listen zu allgemeine Zeichenfolgen notiert wurden. So kann eine Website einem Smartphone Inhalte anzeigen, die eigentlich für ein Tablet gedacht waren. Gleiches gilt für Desktopvarianten und Codebestandteile für Smartphones. In diesem Zusammenhang empfiehlt Google, gerätespezifische Zeichenfolgen zu verwenden. Zum Beispiel „Android“ und „Mobil“ statt nur „Android“.
  • Google warnt zudem vor der Gefahr durch Cloaking. Eine angefragte Website versucht, den Gerätetyp zu erkennen, indem die Zeichenfolge im Vary Header ausgelesen wird. Die Crawler von Google geben sich als herkömmliche Mobilgeräte aus, wenn sie versuchen, eine Website zu crawlen. Es sollte also bei der Erkennung des User Agents nicht gezielt nach Googlebots Mobile gesucht werden, da hierdurch dem Crawler andere Inhalte gezeigt werden als dem Nutzer beziehungsweise dem User Agent.

Vorteile/Nachteile von Dynamic Serving

Vorteile

  • Es wird nur eine URL verwendet
  • Weiterleitungen und Redirects sind überflüssig
  • Dynamic Serving kann eine spezielle, mobile Suchintentionen abdecken (über mobile Keywords)
  • Zudem unterstützt es eine mobil-zentrierte User Expierence[3]
  • Dynamic Serving ist kompatibel mit sogenannten Feature Phones. Das sind Endgeräte, die im Vergleich zu einem Smartphone einen verringerten Funktionsumfang besitzen und zum Beispiel keine CSS-Selektoren verarbeiten können. Dementsprechend auch keine Websites, die mit einem Responsive Design umgesetzt wurden.[4]

Nachteile

  • Der technische Aufwand ist recht groß
  • Es passieren häufig Fehler bei der Erkennung des User Agents
  • Die Kosten für Dynamic Serving sind oft höher als beim Responsive Design
  • Oft müssen CSS, JavaScript sowie Bilddateien an verschiedene Gerätetypen angepasst werden[5]
  • Dynamische Bereitstellung kann zu Komplikationen mit CDN-Systemen führen[6]

Bedeutung für die Suchmaschinenoptimierung

Google empfiehlt zwar ein Responsive Design bei der Optimierung von mobilen Inhalten. Aber das bedeutet nicht, dass die Positionen in den SERPs durch die Nutzung eines anderen Paradigmas beeinträchtigt wird. Im Gegenteil: Dadurch, dass beim Dynamic Serving einzelne mobile Keywords abgedeckt werden können, ist davon auszugehen, dass diese Variante den Suchintentionen der Nutzer entgegenkommt. Zudem ist es möglich, eine ganz unterschiedliche Nutzererfahrung zu befördern – indem gerätespezifisches HTML ausgegeben wird.

Nichtsdestotrotz ist es eine Frage des Projektes und des Budgets, welche Variante bei der mobilen Optimierung zum Einsatz kommt. Fakt ist, dass mobil-freundliche Websites Auswirkungen auf verschiedene KPIs und die Benutzerfreundlichkeit haben.[7] Spätestens seit dem Mobile-Friendly Update von Google sollten Websites ohnehin mobil optimiert sein.

Einzelnachweise

  1. Smartphone-optimierte Websites erstellen googlewebmastercentral-de.blogspot.de. Abgerufen am 02.06.2015
  2. Dynamische Bereitstellung developers.google.com. Abgerufen am 02.06.2015
  3. Mobile SEO: Responsive Design vs. Separate Mobile Site vs. Dynamic Serving clickseed.com. Abgerufen am 02.06.2015
  4. A Cheat Sheet for Mobile Design: Responsive Design, Dynamic Serving and Mobile Sites bruceclay.com. Abgerufen am 02.06.2015
  5. Webmasters Should Use Caution When Dynamically Serving Javascript, CSS & Images thesempost.com. Abgerufen am 02.06.2015
  6. Mobile Site Configuration & The Vary HTTP Header searchengineland.com. Abgerufen am 02.06.2015
  7. An introduction to Mobile SEO smartinsights.com. Abgerufen am 02.06.2015

Weblinks

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