F-Commerce

Als F-Commerce oder Facebook Commerce wird die Strategie bezeichnet, sich auf die Entwicklung und Gestaltung von E-Commerce Content für das soziale Netzwerk Facebook zu fokussieren oder dieses als einen Kanal unter mehreren zu nutzen. F-Commerce kann als Internethandel bei Facebook beschrieben werden: Alle Verkaufsmaßnahmen orientieren sich an Facebook und den technischen Möglichkeiten, die das soziale Netzwerk bietet. Im Rahmen von Facebook Pages werden Produkte via Facebook Applications in das Netzwerk eingebunden, die wie ein integrierter Onlineshop funktionieren, aber nicht eigenständig sind (wie zum Beispiel Microsites). Bei Facebook werden Produkte kuratiert und mit Funktionen wie Likes, Sharing und Weiterempfehlungen verknüpft. Dadurch sollen einerseits die hohen Nutzungszahlen des Netzwerkes und andererseits Methoden wie Word of Mouth Marketing, Social Proofing oder Viral Marketing genutzt werden können. Bezieht sich der Internethandel (E-Commerce) auch auf andere Plattformen und Netzwerke, kann von Social Commerce oder Mobile Commerce gesprochen werden.

Allgemeine Informationen zum Thema[Bearbeiten]

Facebook startete bereits im Jahr 2011 eine erste Offensive, die als Facebook Shopping bezeichnet wurde. Das Unternehmen führte verschiedene Tests durch und launchte Facebook Shopping in Zusammenarbeit mit Drittanbietern. Der Versuch scheiterte, da die Shoppinglösung von den Nutzern aus verschiedenen Gründen nicht angenommen wurde. So war es nicht möglich, eine Shopping App auch auf mobilen Endgeräten zu präsentieren und die Integration von Drittanbieter-Apps stieß auch in Sachen Schnittstellen an ihre Grenzen.[1] Nicht zuletzt war es unmöglich, ein Corporate Design in Facebook Shopping umzusetzen, da die Gestaltung der Shops an die Apps der Drittanbieter gebunden war.

2015 kündigte Facebook dann an, eine eigene Shoppinglösung innerhalb des Netzwerkes anbieten zu wollen und zunächst in den USA auszurollen. Facebook arbeitete dazu mit Shopify zusammen, um beispielsweise eine Payment-Lösung in das soziale Netzwerk einzubinden.[2] Nun können Shopbetreiber im Rahmen einer Facebook Page ihre Produkte anbieten und kuratieren. Allerdings ist die volle Unterstützung noch an den Standort des Shops gebunden und in einigen Ländern sind nicht alle Funktionen verfügbar. Bisher können nur physische Produkte verkauft werden, wenn der Shop sich nicht in den USA befindet.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Das Betreiben eines Shopbereiches bei Facebook ist kostenlos. Shopbetreiber, die nicht in den USA angemeldet sind, müssen sich jedoch mit weniger Funktionen zufrieden geben. Sie können:[3]

  • Produkte und Produktinformationen hochladen
  • Produkte präsentieren
  • Mit Kunden via Facebook Page kommunizieren
  • Statistiken zu Aufrufen und Nachrichten einsehen

Um Facebook Commerce zu nutzen, sind ein Facebook Profil, eine Facebook Business Page sowie ein Shopify Account notwendig. Mit der Facebook Business Page kann der Shop dann initiiert werden, indem Shopify als Channel zu Facebook hinzugefügt wird. Im nächsten schritt müssen der Shopify-Channel und die Facebook Business Page verknüpft werden. Dies erfolgt einfach via Klick auf die dafür vorgesehen Buttons im Set-up-Prozess. Facebook fügt nun eine Shop Section zur Business Page hinzu und der Shopbetreiber muss sich für Produkte entscheiden, die er dort anbieten möchte. Kollektionen von Produkten sind an dieser Stelle ebenfalls möglich.[4] Anschließend sollten folgende Funktionen nutzbar sein:

  • Shop Section: Auf der Facebook Business Page erscheint eine Shop Section, in der Produkte dargestellt werden. Die Shop Section kann je nach Endgerät unterschiedlich aussehen. Bei mobilen Endgeräten funktioniert die Steuerung auch mit Zeig- und Wischgesten.
  • Buy Button: Kunden können via Klick Produkte erwerben. Die Zahlung erfolgt entweder über Shopify oder eine eigene Schnittstelle, die jedoch verknüpft werden muss. Der Checkout via Facebook wird nur in den USA angeboten.[5]
  • Social Integration: Die Produkte können geliked und weiterempfohlen werden. Zusätzlich können sie vom Shopbetreiber auf der eigenen Facebook Business Page beworben und geteilt werden.
  • Social Proof: Facebook fügt jeder Shop Section automatisch einen Bereich hinzu, der Bewertungen und Rezensionen erlaubt. Dadurch sollen Kunden zum Kauf angeregt werden, da sie die Erfahrungen von anderen Kunden nachvollziehen können.

Praxisbezug[Bearbeiten]

Wie Shopbetreiber Facebook als Verkaufsplattform nutzen, ist natürlich ihnen überlassen. Einige Experten sehen jedoch folgende Möglichkeiten, die teilweise schon jetzt oder in naher Zukunft realisierbar sind:[6]

  • Personalization: Die Shoopingerfahrungen können mit Daten aus Facebook (Graph API) zu einem Großteil personalisiert werden. Da Facebooknutzer oft sehr viele Informationen preisgeben, können individuelle Angebote erstellt werden. Beispiel: Der Onlinehändler Etsy nutzt Facebookdaten, um den Kunden Geschenke für ihre Freunde zu empfehlen.
  • Social Shopping: In Zukunft sollen Kunden gemeinsam bei Facebook einkaufen können und zum Beispiel Outfits teilen oder Produktwünsche markieren. Auch die Gesten bei Facebook sollen auf die Shop Section angewendet werden.
  • Social Product Development: Kunden können in die Herstellung von Produkten miteinbezogen werden. Mit Umfragen und Community-Aktionen sollen Produkte mit der Hilfe von Kunden gestaltet werden können, um sie speziell in dem sozialen Netzwerk anzubieten (Vergleich: Customer Empowerment)

Bei allen Anwendungsszenarien sind vor allem rechtliche Aspekte und der Datenschutz zu beachten. In verschiedenen Länder herrschen unterschiedliche Gesetzgebungen zu diesen Themen und Shopbetreiber sollten sich rechtlich absichern. So gilt nach wie vor eine Impressumspflicht für kommerzielle Anbieter im Internet.

Bedeutung für das Social Media[Bearbeiten]

Aus Sicht der Kunden hat der F-Commerce mit Facebook einen entscheidenden Vorteil: Schnellere Ladezeiten sind zu erwarten, da alle Assets auf Facebook Servern liegen und global über CDN-Systeme ausgeliefert werden. Als abgeschlossenes Ökosystem bietet Facebook Shopbetreiber an, dass sie Produkte genau dort anbieten können, wo die Nutzer sich aufhalten.[7] Zudem ist die Nutzererfahrung auf mobilen Endgeräten mit der neuen Lösung wesentlich besser, als dies vorher der Fall war.

Möglich sind auch ROPO-Effekte, da viele Nutzer die Facebook App auf ihren mobilen Endgeräten installiert haben und diese zur Produktrecherche verwenden können, um anschließend einen Kauf im Ladenlokal zu tätigen.[8] Shopbetreiber können mit Facebook Commerce einen weiteren Kanal erschließen, um ihre Produkte abzusetzen. Sie sollten jedoch einige Grundregeln der sozialen Netzwerke beachten. Beispielsweise die Tatsache, dass herkömmliche Ansätze in der Verkaufsförderung nicht unbedingt wirksam sind auf sozialen Netzwerken. Stattdessen kann der Aufbau einer Community sinnvoll sein, da Nutzer, die Facebook zu privaten Zwecken verwenden, nicht in jeder Nutzungssituation „belästigt“ werden möchten.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Shopify Introduces the Shop Section on Facebook Pages shopify.co.uk. Abgerufen am 07.01.2016
  2. Now you can go shopping on Facebook thenextweb.com. Abgerufen am 07.01.2016
  3. Shop-Bereich facebook.com. Abgerufen am 07.01.2016
  4. How to Set up the New Shop Section on Your Facebook Page shopify.co.uk. Abgerufen am 07.01.2016
  5. Welche Zahlungsanbieter stehen für den Shop-Bereich auf meiner Seite zur Verfügung? facebook.com. Abgerufen am 07.01.2016
  6. Three F-Commerce Techniques That Actually Work convinceandconvert.com. Abgerufen am 07.01.2016
  7. Facebook arbeitet am Comeback des F-Commerce facelift-bbt.com. Abgerufen am 07.01.2016
  8. Einkaufen? Macht mein Handy für mich! mediascale.de. Abgerufen am 07.01.2016
  9. Wo Social Commerce an seine Grenzen kommt t3n.de. Abgerufen am 07.01.2016

Weblinks[Bearbeiten]