Mobile Browser


Der Begriff Mobile Browser bezeichnet Web Browser, die speziell für die Nutzung auf mobilen Endgeräten wie Smartphones, Tablets, PDAs oder Feature Phones ausgelegt sind. Mobile Browser sind durch zwei grundlegende Eigenschaften gekennzeichnet: Zum einen optimieren sie die darzustellenden Inhalte des Mobile Web auf kleinere Displaygrößen und die zur Verfügung stehenden Interaktionsmöglichkeiten. Zum anderen nutzen sie möglichst effektiv die Rechen- und Speicherkapazitäten des Endgerätes sowie die verfügbare Bandbreite des Zugangs zum mobilen Internet. Mobile Browser werden auch als Microbrowser, Minibrowser oder Wireless Internet Browser (WIB) bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Als erster mobiler Browser gilt PocketWeb, der von der PDA Developer Group am TECO in Karlsruhe 1994 entwickelt wurde. Der PocketWeb verwendete bereits spezielle Management-Layer und eine geänderte Cache-Architektur, um HTML-Websites mit möglichst effektiver Aufgaben-Verwaltung und geringer Speicherauslastung anzuzeigen.[1]

Zwei Jahre später wurde der NetHopper von AllPen Software für PDAs von Apple (sogenannte MessagePads) als kommerzielle Version veröffentlicht. Im Grunde war dies kein eigenständiger mobiler Browser, doch er bot einen mobilen Zugang zum Internet an: Über das Mobilfunknetz war die Einwahl in das Gateaway möglich, über das eine angeforderte Ressource geladen werden konnte.[2] Beide Browser können als Vorgänger für moderne mobile Browser betrachtet werden.

Ähnliche Entwicklungen sind mit den Übertragungsprotokollen WAP und I-Mode zu nennen.[3] WAP stellt ein Zwischenschritt dar bei der Entwicklung mobiler Browser. Schon hier wurde versucht, die Datenmenge bei der Anzeige von Websites zu reduzieren, indem ein Gateaway zwischengeschaltet wurde, das die Daten zur Anzeige umwandelt. Beim I-Mode werden die im WWW üblichen Protokolle und Auszeichnungssprachen wie TCP/ IP, HTTP und HTML verwendet. Allerdings wurde eine eigene, reduzierte Version von HTML geschrieben – das sogenannte iHTML –, um die Anzeige von bestimmten HTML-Elementen auch auf kleinen Endgeräten zu ermöglichen.

Heutzutage sind mobile Browser in den meisten Fällen reduzierte Varianten der Desktop-Versionen und durch Schnittstellen an Dienste im WWW angebunden. Zum Einsatz kommen dabei entweder Varianten von HTML oder in neueren Versionen auch HTML5.[4] Die Herausforderungen, die sich aus der geringen Rechen- und Speicherkapazität von mobilen Geräten und der kleineren Bandbreiten bei der Internetnutzung ergaben, bestehen nach wie vor und werden von den Browser-Herstellern auf verschiedene Weise adressiert und gelöst.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Mobile Browser stellen eine Verbindung zum Internet her, indem sie entweder das Mobilfunknetz (engl.: cellular network) oder WLAN (engl.: wireless local area network) benutzen. Sobald eine Website im mobilen Browser aufgerufen wird, sendet der Klient (der Browser) eine Anfrage an den Server. Je nachdem, wie die angeforderte Ressource dort hinterlegt und gespeichert ist, erfolgt eine Antwort vom Server. Diese gibt dem Klienten verschiedene Informationen darüber, wie die Ressource dargestellt werden kann. Es gibt drei Szenarien:[5]

  • Bei responsiven Websites wird der Quellcode über eine URL an das Endgerät gesendet und entsprechend der Displaygröße dargestellt.
  • Bei mobilen Websites ist die Ressource als mobile Variante mit gesonderter URL hinterlegt.
  • Beim Dynamic Serving wird die Ressource mit geändertem Quellcode unter einer URL an das jeweilige Endgerät ausgeliefert.

Die meisten modernen mobilen Browser können mit allen drei Varianten umgehen. Teilweise kommen dabei sogenannte Browserweichen zum Einsatz, um die Darstellung an das Endgerät anzupassen.[6]

Der mobile Browser rendert nun die geladenen Daten und regelt die Darstellung anhand der Informationen, die er durch die Kommunikation mit dem Server erhalten hat. Das Rendering erfolgt durch Zuhilfenahme einer Layout Engine. Sie führt die Inhalte, die Formatierungen und die Auszeichnungen zusammen und rendert die Inhalte - angepasst an die Größe des Displays. Sie übersetzt den HTML und CSS-Quellcode in darstellbare Websites. Es gibt viele verschiedene Browser-Engines: WebKit (Android Browser, Chrome und Safari), Gecko (Firefox for Mobile), Trident (IE Mobile) oder Presto (Opera Mobile) sind die Bekanntesten.[7]

Die grafische Darstellung erfolgt bereits mithilfe des Post-WIMP-Konzeptes: WIMP steht für "Windows, Icons, Menus, Pointer" und beschreibt einen bestimmten Interaktionsstil, der durch das Anklicken von Elementen der grafischen Benutzeroberfläche gekennzeichnet ist. Bei mobilen Browsern steht jedoch nicht so viel Speicherplatz zur Verfügung, weshalb hier neuere Interaktionskonzepte verwendet werden. Dies erfolgt aber nicht nur aufgrund der Speicherkapazitäten, sondern auch wegen der Interaktion zwischen Nutzer und Browser beziehungsweise dem Endgerät. Beispiele sind Gestensteuerungen mit Zieh- und Wischbewegungen, Zoomen oder auch die Sprachsteuerung.

Beispiele für mobile Browser[Bearbeiten]

Es wird grundsätzlich unterschieden zwischen nativen und installierbaren mobilen Browser. Native mobile Browser sind die Standardprogramme, die auf dem jeweiligen Betriebssystem vorab installiert sind. Die zweite Gruppe, die installierbaren mobilen Browser, kann von Nutzern je nach persönlichen Bedürfnissen ausgewählt und heruntergeladen werden.

  • Android Browser: Der Standardbrowser bei allen Android-Geräten.
  • Chrome: Standardbrowser bei Google-Geräten.
  • Safari: Standardbrowser beim iPhone.
  • Internet Explorer Mobile: Standardbrowser bei Windows-Phones.
  • Firefox for Mobile: Installierbarer, häufig genutzter mobiler Browser.
  • Opera Mobile: Installierbarer mobiler Browser für Smartphones und PDAs.
  • Amazon Silk: Standardbrowser auf dem Kindle Fire und den Fire Phones von Amazon.
  • BlackBerry Browser: Standardbrowser auf BlackBerry-Geräten.
  • S60 Webbrowser: Standardbrowser auf S60 und Symbian-Plattformen (Nokia).
  • WebOS: Mobiler Browser und Betriebssystem für unterschiedliche Endgeräte wie Smart-TV, Smartwatches oder Tablets.

Bedeutung für das Mobile Marketing[Bearbeiten]

Die Vielfalt an mobilen Browsern erschwert die korrekte Darstellung von Websites auf mobilen Endgeräten. Wer eine Website auch im mobilen Internet vermarkten möchte, ist deshalb auf ein ausführliches Testing angewiesen. Ähnlich wie Browsertests von herkömmlichen Websites sollten mobile Websites in unterschiedlichen Browsern und mobilen Endgeräten überprüft werden. Wenn bestimmte Inhalte nicht geladen werden können, kann sich dies negativ auf die Performance der Website auswirken. Die Kompatibilität von mobilen Browsern mit verschiedenen APIs und CSS-Regeln stellt Entwickler immer wieder aufs Neue vor Probleme.[8] Zumindest die Darstellung in mobilen Standardbrowsern sollte deshalb geprüft oder emuliert werden. Ein bekannter Emulator ist beispielsweise BrowserStack.[9]

Im Zusammenhang mit der Auslieferungen des Contents aufgrund von Informationen über den User Agent stehen ebenfalls Aspekte wie das Crawling und die Indexierung von mobilen Websites. Neben der optimierten Darstellung für unterschiedliche Browser und Endgeräte ist das korrekte Auslesen von mobilen Websites durch die Crawler der Suchmaschinen abhängig von den Angaben über den User Agent. In der Regel werden hier Listen von User Agent Strings herangezogen, um den Crawlern ein Vergleich zwischen dem verwendeten User Agent des jeweiligen Endgerätes und den möglichen User Agent Strings (z.b.: neue Endgeräte) zu ermöglichen.[10] Werden hier falsche oder unvollständige Angaben gemacht, kann dies zu Crawlingfehlern und im schlimmsten Fall zur Deindexierung der mobilen Website führen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. PocketWeb teco.edu. Abgerufen am 12.06.2015
  2. NetHopper 1.0 web.archive.org. Abgerufen am 12.06.2015
  3. History of Mobile Applications uky.edu. Abgerufen am 12.06.2015
  4. Evolution of the Web evolutionoftheweb.com. Abgerufen am 12.06.2015
  5. Konfigurationen für Mobilgeräte developers.google.com. Abgerufen am 28.02.2017
  6. PHP: Browserweiche für Mobilgeräte kotori.de. Abgerufen am 12.06.2015
  7. Webbrowser im Überblick webmasterpro.de. Abgerufen am 12.06.2015
  8. HTML5 compatibility on mobile and tablet browsers with testing on real devices mobilehtml5.org. Abgerufen am 12.06.2015
  9. Mobile browser emulator browserstack.com. Abgerufen am 12.06.2015
  10. List of all Mobile Browsers useragentstring.com. Abgerufen am 12.06.2015

Weblinks[Bearbeiten]