Mobile Recruiting

Der Begriff Mobile Recruiting (deutsch: mobile Personalbeschaffung) bezeichnet die Nutzung mobiler Kanäle bei der Gewinnung von Fachkräften. Es ist eine Möglichkeit für Unternehmen und Bewerber, mithilfe mobiler Endgeräte wie Smartphones, Tablets und Phablets miteinander in Kontakt zu treten. Das Ziel ist es, besonders medien- und internetaffine Bewerber zu erreichen und mit der Unterstützung neuer Medien den Bewerbungsprozess zu vereinfachen.

Mobile Recruiting kann als spezielle Form des E-Recruiting betrachtet werden, das sich weg von Print-Anzeigen und hin zu Online-Jobbörsen, Social Media und eben Mobile bewegt, um Fachkräfte für sich zu gewinnen und die Kontaktaufnahme situations- und kontextbezogen zu ermöglichen. Mobile Recruiting basiert in gewissem Maße auf dem Push-Prinzip aus der Werbung, bei dem Unternehmen ihre Klienten gezielt ansprechen und nicht warten, bis diese aktiv werden (Pull-Prinzip).

Allgemeine Informationen zum Thema

Seit dem Jahr 2011 ist die Nutzung mobiler Endgeräte jährlich gestiegen.[1] Insbesondere bei jüngeren Menschen ist die Verwendung von Smartphones und Tablets für verschiedene Einsatzzwecke weit verbreitet. Zwei von diesen Zwecken sind die Informationsbeschaffung über einen potenziellen Arbeitgeber und das Versenden von bewerbungs-relevanten Informationen, teilweise auch das Absenden der gesamten Bewerbung. Nutzer verwenden vermehrt das Handy zu Karrierezwecken und informieren sich beispielsweise über einen Arbeitgeber, während sie unterwegs sind.

Mobile Recruiting zielt darauf ab, den Bewerbern eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zu geben, wenn sie ihr mobiles Endgerät benutzen. In erster Linie geraten Bewerber in den Fokus, die wissen, wie neue Medien genutzt werden können. Die Klientel ist internet-, medien- und computeraffin und gerade Unternehmen, die in diesen Bereichen aktiv sind, suchen Bewerber, die schon durch die Wahl des Mediums segmentiert werden. Angesprochen werden meist potenzielle Mitarbeiter für IT-Abteilungen, den E-Commerce oder das Online Marketing.[2]

Vor dem Hintergrund des allgemein propagierten Fachkräftemangels oder des sogenannten „War of Talents“ ist das Mobile Recruiting für bestimmte Unternehmen eine Antwort auf die Fragen, wie sich geeignete Bewerber finden lassen und wie sich Unternehmen zu positionieren haben, wenn sie die aktuellen Trends multimedialer Nutzungsszenarien vorweg nehmen möchten – es geht also auch um Employer Branding. Große Unternehmen wie Accenture, Otto, Fresenius oder die Deutsche Telekom verwenden in gesteigertem Maße mobile Strategien, um Fachkräfte für sich zu gewinnen und sich dem Bewerbermarkt als modernes Unternehmen zu präsentieren.

Funktionsweise des Mobile Recruiting

Um Bewerber gezielt anzusprechen, können Unternehmen verschiedene Maßnahmen verfolgen, die sich natürlich an der Größe des Unternehmens und den Zielen des Personalmanagements orientieren. Dabei sollte dieser Ansatz durchdacht sein und als eigene Strategie etabliert werden. Nur wenn das Mobile Recruiting zum Unternehmen, dem Portfolio und der Bewerber-Zielgruppe passt und andere Interaktionsmöglichkeiten wie eine Karriere-Webseite ergänzt, ist mit entsprechenden Interaktionsraten seitens der Bewerber zu rechnen.


  • Mobile Optimierung von Karriereseiten: Damit potenzielle Bewerber angesprochen werden können, sollte die Webseite auch auf den recht kleinen Displays von Smartphones und Tablets lesbar sein. Dies kann durch Responsive Websites oder mobile Webseiten sichergestellt werden.
  • Mobile Stellenanzeigen: Nutzer mobiler Endgeräte bekommen Stellenanzeigen beim Browsen oder bei Verwendung bestimmter Apps angezeigt. Eine Segmentierung von Zielgruppen ist unbedingt erforderlich, um Streuverluste zu vermeiden. Ein oft verwendetes Feature ist in diesem Zusammenhang die Einbindung von QR-Codes, die beispielsweise zur mobil-optimierten Karriereseite des Unternehmens weiterleiten. Diese können natürlich auch im Rahmen von Print-Anzeigen verwendet werden – Stichwort Mobile Tagging.
  • Mobile Bewerbungsprozesse: Um die Interaktion seitens der Bewerber zu vereinfachen, können Bewerbungsprozesse implementiert werden, die voll und ganz auf die mobile Nutzung abzielen. In der Regel ist es unwahrscheinlich, dass Nutzer ihre Bewerbungsunterlagen am Smartphone oder Tablet erstellen, jedoch könnten viele Nutzer die Möglichkeit wahrnehmen, die Unterlagen via Mobilgerät zu versenden. Hier ist auch das CV-Parsing zu erwähnen: Das Einspielen der Bewerbungsunterlagen mithilfe von Portalen wie Xing und Linkedin. Lebenslauf, Anschreiben und Zeugnisse können auf diese Weise direkt in die Karriere-Webseite eingefügt werden, ohne Formulare mit hohem Zeitaufwand ausfüllen zu müssen. Auch Karriere-Apps gehören zu diesem Bereich. Sie können eine reduzierte Version eines Assessment-Centers darstellen, in dem zum Beispiel Fragen beantwortet werden müssen.
  • Mobile Recruiting kann ebenfalls durch bestimmte Möglichkeiten der Interaktion ergänzt werden: Bewerber können Nachrichten per SMS auf ihr Gerät erhalten, wenn eine neue Stellenanzeige online ist. Auch das Abonnieren von RSS-Feeds, Blogs oder Microblogs ist möglich, um Bewerber auf dem Laufenden zu halten.[3]

Bedeutung für das Mobile Marketing

Eine mobile Strategie der Personalbeschaffung kann als Chance wahrgenommen werden, um bestimmte Bewerbergruppen gezielt anzusprechen und sich als digitales, dynamisches und innovatives Unternehmen zu präsentieren. Durch die Wahl des Mediums wird vorsortiert, denn Bewerber, die als Digital Natives betrachtet werden, rücken in den Fokus. Dabei müssen die technischen Lösungen unbedingt funktionieren, ansonsten könnten Bewerber sich bei Konkurrenten melden.

Ebenso wichtig ist die Auswahl der richtigen Informationen, die den Bewerbern zur Verfügung gestellt werden. Ein Video eines Trainees kann wichtige Einblicke in das Unternehmen vermitteln. Eine schlecht umgesetzte mobile Strategie kann aber auch negative Branding-Effekte nach sich ziehen. Es gilt, authentisch zu bleiben und das eigentliche Ziel dieses Kanals nicht aus den Augen zu verlieren. Wird zu viel Mobile Marketing mit Mobile Recruiting vermischt, kann das Employer Branding aus Sicht der Bewerber oft fragwürdig wirken. Zudem sollte dieser Weg andere Wege einer Bewerbung ergänzen, denn derzeit sind die Nutzerzahlen noch gering.[4]

Mobile Recruiting kann den Aufwand beim Bewerbungsprozess verringern: Zum Beispiel die Kosten pro Bewerber und den Verwaltungsaufwand in Form von Bewerbungsunterlagen der zahlreichen Anwärter. Eine Folge ist jedoch auch, dass Personalabteilungen in den neuen Medien relativ schnell reagieren müssen. In der Regel wird dies von den Bewerbern erwartet, die diesen schnellen und unkomplizierten Weg gewählt haben. Mobile Recruiting ist somit kein Selbstläufer, sondern ist mit anderem Aufwand und Nacharbeit verbunden, auch wenn die technischen Lösungen viele Prozesse vereinfachen.

Einzelnachweise

  1. Anteil der Nutzer des mobilen Internets via Smartphone in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2013 de.statista.com. Abgerufen am 27.10.2014
  2. Der wilde Westen der Personalarbeit gruenderszene.de. Abgerufen am 27.10.2014
  3. Mobile Recruiting - Mit Twitter und SMS zu neuen Bewerbern jobware.de. Abgerufen am 27.10.2014
  4. Für Personaler Top, für Bewerber Flop spiegel.de. Abgerufen am 27.10.2014

Weblinks

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