Semiotik

Der Begriff der Semiotik ist aus der Linguistik übernommen. Ihre Definition als Interpretationslehre von Zeichen und Zeichensystemen wurde vom US-amerikanischen Philosophen Charles Sanders Peirce geprägt.[1] Ihre Ursprünge sind jedoch bereits bei den vorsokratischen Philosophen zu verorten, wo sie allerdings nicht als eigenständige Disziplin oder Lehre praktiziert wurde. Aufgrund der Vielseitigkeit der Semiotik ist sie längst zu einer interdisziplinären Wissenschaft avanciert, die auch in der IT und im Online Marketing Anwendung findet.


Definition[Bearbeiten]

Die elementarste Beschreibung der Semiotik lieferte Anfang des 20. Jahrhunderts der Schweizer Linguist Ferdinand de Saussure. Er sprach erstmals von einem konkreten Schema, wonach jeder Mensch jedem Konzept ein individuelles (schriftliches, akustisches oder visuelles) Zeichen zuordnet, wobei der sogenannte Signifikant (das Zeichen) und das Signifikat (der Zeicheninhalt) gegenseitig aufeinander verweisen. Auch Farben können semiotische Aufgaben erfüllen. So gilt die Farbe Rot kontextübergreifend oft als Warnung oder weist auf Gefahr hin. Grün hingegen bedeutet im allgemeinen Verständnis Entwarnung.

Die Semiotik ist eine dreidimensionale Lehre, die Zeichen auf Basis syntaktischer, semantischer und pragmatischer Eigenschaften interpretiert.[2] Sie umfasst dabei unterschiedliche Zeichenarten, wobei Schrift als die abstrakteste Zeichenart eingestuft werden kann, da sie zwar Informationen über ein Konzept vermittelt, es jedoch nicht repräsentiert. Von der Repräsentation eines Zeichens spricht man im Fall eines Icons, Symbol oder Index, wobei alle drei Zeichengattungen sich durch einen höheren oder niedrigeren Grad an abgebildeter Ähnlichkeit mit dem Konzept unterscheiden.

Ein Symbol ist ein oftmals aus gesellschaftlichem Konsens heraus entstandenes und häufig auf einen kulturellen Rahmen begrenzt interpretierbares Zeichen. Das ist etwa bei der symbolischen Darstellung eines Kleeblattes (Signifikant) als Zeichen für Glück (Signifikat) der Fall. Von einem Index spricht man, wenn das Zeichen über einen Hinweischarakter verfügt, wie dies etwa bei Warnhinweisen oder Verkehrsschildern üblich ist.

Sogenannte Icons hingegen haben in ihrer Eigenschaft als Zeichen am meisten Ähnlichkeit mit dem Konzept, das sie abbilden. Zu dieser Zeichengruppe zählen unter anderem Diagramme, Schemata, Landkarten und Piktogramme oder Emojis als moderne Interpretation letztgenannter. Im digitalen Kontext dient der Gebrauch von Icons einer vereinheitlichten Verständigung; über Landesgrenzen, Sprachen und soziokulturelle Unterschiede hinweg. Längst sind Icons wie die stilisierte Diskette zum Speichern von Dokumenten oder der Briefumschlag als Zeichen für E-Mail-Adressen im kollektiven Gedächtnis verankert.


Bedeutung für SEO, Suchmaschinen und Online Marketing[Bearbeiten]

Suchmaschinen kennen neben der wörtlichen Bedeutung eines Wortes mittlerweile auch mögliche Assoziationen, die ein User mit dem Begriff haben könnte, den er in die Suchmaske eingibt. Was sie (noch) nicht verstehen ist der vielschichtige, persönliche Bezug zu einem Wort, den ein User haben kann. Ebenso wenig wie die Menge an individuellen Einflussfaktoren, die einen Terminus für jeden mit unterschiedlicher Bedeutung aufladen.

Wie alle semiotischen Systeme ist auch das Internet ein Netzwerk aus Icons, Indizes und Symbolen. Aufgrund der anhaltenden Bemühungen großer Suchmaschinenbetreiber wie Google hin zu einem Internet der Dinge ist eine Wandlung von rein semantischer Suche hin zu stärker semiotischer Suche zu erwarten. Semiotik geht weiter als reine Semantik, indem sie einbezieht, wie jeder User (oder verschiedene Nutzergruppen) unterschiedliche Zeichen interpretiert.

Bei der Semiotik geht es letztendlich darum, Codes zu entschlüsseln. Deshalb kann sie auf alles angewandt werden, was eine Bedeutung beinhaltet: ein Wort, eine Abbildung, ein Video oder auch die dominierende Farbe einer Website oder eines Unternehmenslogos. Aufgrund dieser Eigenschaft steht Semiotik in engem Zusammenhang mit Kommunikation, Kultur und Psychologie.

Wenn es um die Interpretation von Zeichen geht, dringt man über die Semiotik im Internet und bei den Suchmaschinen unweigerlich in die Psychologie und Neurowissenschaft vor. Daraus resultieren Erkenntnisse, die auch im Online Marketing entscheidend sein können. Etwa darüber, wieso das menschliche Gehirn bewusst oder unbewusst auf bestimmte Signale reagiert und somit Kaufentscheidungen trifft.

Das Wissen um die Wirkung der Semiotik bei der Leadgenerierung ist sehr nützlich für Marketer, die verstehen wollen, wie sie ihre Zielgruppe gezielt zum Kauf bewegen. Kenntnis der pragmatischen Eigenschaften eines Zeichens kann hilfreich sein beim Aufbau einer Website, die sich auf diese Bedeutungsvielfalt einlässt. So kann eine stärkere Bindung zum Kunden hergestellt werden.[3] Etwa, wenn das UI/UX-Design auf soziokulturelle Präferenzen der Zielgruppe ausgelegt, die Sprachwahl an deren Duktus und Jargon angepasst oder das Navigationsmenü vollständig durch allgemein verständliche, ikonische Buttons ersetzt ist.

Da sich die bevorzugte Ausdrucksweise einer Zielgruppe auch in der Verwendung von Suchbegriffen niederschlägt, kann diese schriftliche Komponente der Semiotik auch bei der Suchmaschinenoptimierung eine wichtige Stellung einnehmen. Zum Beispiel dann, wenn es darum geht, Keywords für die Meta-Angaben, Alt-Tags und den Content auszuwählen oder ein semantisch relevantes Umfeld zu kreieren.


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] semiotik.eu. Abgerufen am 17. Oktober 2019.
  2. [2] der-rhetoriktrainer.de. Abgerufen am 17. Oktober 2019.
  3. [3] moz.com. Abgerufen am 17. Oktober 2019.


Weblinks[Bearbeiten]