Acceptable Ads

Als Acceptable Ads (deutsch: akzeptierte Werbung) wird eine Initiative des AdBlock Plus Werbeblockers und dessen Betreiber Eyeo GmbH bezeichnet. Die Initiative soll einerseits unaufdringliche Werbung fördern und andererseits eine Einnahmequelle darstellen, sodass das Angebot für nicht-kommerzielle Nutzer kostenlos bleibt. Kommerzielle Nutzer, die auf eine Monetarisierung von Websites, Apps und weiteren Anwendungen angewiesen sind, können an dem Acceptable Ads Programm teilnehmen, um ihre Werbemittel trotz eingeschaltetem AdBlocker an Nutzer ausliefern zu können. Je nach Reichweite und Größe des Angebotes sind dafür Gebühren fällig. Nach der Einführung des Acceptable Ads Programms wurde eine Diskussion um die Frage angestoßen, was als aufdringliche und unaufdringliche Werbung gilt und inwiefern sich diese Initiative auf die Online Werbung im Internet auswirkt.

Allgemeine Informationen zum Thema

AdBlock Plus arbeitet mit verschiedenen Filterregeln, um Werbeanzeigen zu blockieren. Neben dem Blacklisting, das spezifische Ressourcen mittels URI, Keywords, ungültiger Zertifikate sowie digitaler Signaturen ausschließt, nutzt die Software auch ein Whitelisting, das bestimmte Ressource als vertrauenswürdig einstuft. Das Acceptable Ads Programm baut auf dem Whitelisting auf und selektiert Werbetreibende und Drittanbieter von Werbung derart, dass die Werbemittel dieser Anbieter trotz funktionsfähigem Werbeblocker beim Nutzer angezeigt werden. Wer an der Initiative teilnimmt, hat einen privilegierten Zugang zu den mittlerweile 100 Millionen Nutzern des AdBlockers. Dabei müssen allerdings nicht alle teilnehmenden Unternehmen Gebühren zahlen, sondern nur reichweitenstarke Portale und Websites wie zum Beispiel Google, Amazon, eBay, Yahoo und auch einige Unternehmen aus dem Medien- und Verlagswesen wie Axel Springer oder Gruner + Jahr.[1]

Für dieses Geschäftsmodell bekam der Betreiber des AdBlock Plus Werbeblockers heftige Kritik: Erst würde die Werbung blockiert werden, um dann die Anzeige durch zahlungskräftige Unternehmen wieder zu ermöglichen.[2] In der Branche der Online Werbung reagierten einige Unternehmen mit Klagen gegen den Betreiber der AdBlock Plus Software, der damit bei steigenden Nutzerzahlen seine Kosten decken möchte. Die aktuellen Rechtsstreits hatten zudem zur Folge, dass viele Verlage einen Anti AdBlocker in ihre Angebote implementierten: Nutzer, die den AdBlocker verwenden, können diese Angebote nicht mehr konsumieren. Das Oberlandgericht Köln entschied in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil, dass die Eyeo GmbH eine Gatekeeper-Funktion innehabe und mit dem Whitelisting gegen geltendes Wettbewerbsrecht verstoße. Da es aber um grundsätzliche Rechtsfragen gehe, wurde eine Revision beim Bundesgerichtshof zugelassen.[3]

Denn der AdBlocker ermöglicht es seinen Nutzern, werbefreie Inhalte zu konsumieren und nutzt bei der Monetarisierung des Angebotes eine 10 zu 90 Regel: Lediglich 10% der teilnehmenden Unternehmen müssen Gebühren entrichten. Die anderen 90% können kostenlos auf der Whitelist eingetragen werden.[4] Das Internet als Raum für freie Informationen gelte es zu schützen und andere große Portale würden ähnliche Geschäftspraktiken verfolgen, so die Befürworter des Modells für akzeptierte Werbung. Die Nutzer können die Option Acceptable Ads deaktivieren, wenn sie komplett werbefrei surfen wollen.

Funktionsweise

Wer sich für das Acceptable Ads Programm eintragen möchte, muss die Kriterien für akzeptierte Werbung erfüllen, die im Acceptable Ads Manifesto von der Community festgelegt wurden und durch eine unabhängige Stelle überprüft werden.[5] q Letztendlich geht es darum, den Nutzern eine Nutzererfahrung zu bieten, die ohne störende Einflüsse durch aufdringliche Werbung auskommt.

  • Platzierung: Akzeptable Werbung darf den Lesefluss nicht stören und oberhalb, seitlich oder unterhalb des eigentlichen Contents platziert sein.
  • Unterscheidung: Werbung sollte als solche gekennzeichnet sein. Schlüsselwörter wie Werbung, Sponsored Content oder Advertisement müssen auf das Werbemittel hinweisen.
  • Größe: Nicht mehr als 15% des Above the fold-Bereichs darf durch Werbung eingenommen werden. Unterhalb des Foldbereichs darf der Anteil an Werbung 25% betragen. Die Anforderungen an die Pixelgrößen einzelner Ads variiert nach der Art der Platzierung.
  • Spezielle Kriterien: Für einige Arten von Werbung und geparkte Domains unterscheiden sich die Kriterien. Dies gilt beispielsweise für Textwerbung mit hohem Einsatz von bunten, grellen Farben, die nicht gestattet sind, aber auch für Werbung in Listen und Feeds oder für Werbung in Suchmaschinen. Bei geparkten Domains ohne eigentlichen Inhalt gibt es keine Einschränkungen in Bezug auf die Platzierung oder die Größe der Werbemittel.
  • Als nicht akzeptable Werbung werden verschiedene Effekte und Formate wie Animationen, Hovereffekte, expandierende Werbung sowie Overlays, Pre-Roll oder Pop-ups betrachtet. Auch Flash- und Shockwave-Inhalte sowie automatische Sound- und Videowerbung werden als nicht gestattet angesehen.

Diese Kriterien wurden aufgrund einer Nutzerumfrage erstellt. Nur 25% der AdBlock-Nutzer möchten gar keine Werbung dargestellt bekommen. Etwa 75% der Nutzer sind dafür, dass bestimmte Werbeformen zur Monetarisierung von Websites verwendet werden. Auf dieses Feedback reagierte AdBlock Plus mit der Einführung von akzeptierter Werbung, wobei die kommerzielle Variante davon sowie eine Anti AdBlocking Praxis rechtlich umstritten sind.

Bedeutung für das Online Marketing

Mit dem Acceptable Ads Programm wurde eine Diskussion um Online-Werbung angestoßen, die für Werbetreibende, Drittanbieter und Inhaltsersteller teilweise existenzielle Bedeutung hat. Generell geht es um die Frage, ob jegliche Informationen im Internet frei zugänglich sein sollten und inwiefern sich die Content Produktion durch Werbung finanzieren darf oder soll. Das Acceptable Ads Programm stellt einen Kompromiss dar zwischen den Nutzer eines Werbeblockers und den Medienunternehmen, die auf die Auslieferung von Ads angewiesen sind. Zwar nutzt der Betreiber des AdBlockers seine Marktmacht auf gewisse Weise aus, doch dies ist bereits von großen Portalen wie Google, Yahoo, Amazon oder Ebay bekannt: Je mehr Nutzer ein bestimmtes Angebot verwenden, desto größer ist das Interesse von verschiedenen Akteuren, an der Verwendung mitzuverdienen. Teilweise ist die Diskussion um Werbeblocker auch ein Kampf um Geschäftsmodelle im Internet, der an den eigentlichen Interessen der Nutzer vorbeigeht – und sie entscheiden in letzter Konsequenz, welche Modelle sich durchsetzen.[6]

Einzelnachweise

  1. AdBlock Plus knackt Marke von 100 Millionen aktiven Nutzern absatzwirtschaft.de. Abgerufen am 10.08.2016
  2. Eyeo nimmt 30 Prozent für Whitelisting golem.de. Abgerufen am 10.08.2016
  3. OLG Köln erlaubt Adblocker, verbietet bezahltes Whitelisting golem.de. Abgerufen am 10.08.2016
  4. Adblock Plus opens up about how 'acceptable ads' work theguardian.com. Abgerufen am 10.08.2016
  5. Akzeptable Werbung in Adblock Plus zulassen adblockplus.org. Abgerufen am 10.08.2016
  6. There are no acceptable ads github.com. Abgerufen am 10.08.2016

Weblinks

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